Zeitung Heute : Blaue Wunder

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In Waterloo erlebte Napoleon sein blaues Wunder, genau genommen sogar ein preußisch-blaues. Denn die Soldaten seines Gegners General Blücher trugen zu großen Teilen blaue Uniformen – so wie es seit jeher Tradition in Preußen war. Vermutlich wegen der vielen Uniformträger in Preußen hatte im Laufe der Zeit ein unschuldiger Farbton sein Namen weg: Preußischblau, einer der ältesten künstlichen Farbstoffe. Die Maler mochten dieses dunkle Preußischblau so sehr, dass es sogar bis in unsere Zeit (1970) zu den häufigst verwendeten Pigmenten gehörten. Van Gogh benutzte es ebenso wie Claude Monet.

Tatsache ist jedenfalls, dass die Erfindung der Farbe, oder besser des Farbpigments, wie so viele Dinge in der Menschheitsgeschichte auf eines zurückgeht: auf einen Zufall. Da saß um 1704 herum der Berliner Farbmacher Diesbach in seiner Stube und wollte eigentlich Rot herstellen. Dazu hatte er sich kostbare Koschenille besorgt, eine Schildlausart, deren Körperflüssigkeit das berühmte Karminrot enthält. Hinzu kamen noch allerlei andere Ingredienzen. Allerdings ging Diesbach eine Zutat aus, und er musste einen Kollegen um Ersatz bitten. Der reichte ihm jedoch eine Neuerfindung, die angeblich den gleichen Zweck erfüllen sollte. Oh Wunder: Als Diesbach das Zeug verrührte, sah er nicht rot, sondern blau.

Flugs gründete Diesbach eine Firma und kam mit Preußischblau ganz groß heraus, das wegen des Orts seiner Erfindung auch als Berliner Blau in die Geschichte einging. Benutzt wurde das Pigment fortan zum Beispiel zum Färben von Stoffen und Tapeten. Sogar Seide wurde damit behandelt. In Japan verdrängte Preußischblau schließlich das natürliche Indigo – eine siegreiche Schlacht für Preußen, in dem sich ausnahmsweise niemand ein blaues Auge holte. ling

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