Zeitung Heute : Blind im Wind

Bernd Eilert

Von Bernd Eilert



Lieber Fritz, nun mal im Ernst:

Es wird Zeit, dass Du was lernst.

Eins konnt’ ich an Dir nie leiden:

Du warst immer zu bescheiden.

Denn Du hast, was ich nicht habe,

Eine äußerst rare Gabe:

Du kannst nämlich Verse schreiben,

Die uns im Gedächtnis bleiben.

Ob wir wollen oder nicht,

Wir vergessen kein Gedicht,

Das von Anfang an ganz schlicht

Diese Sensation verspricht:

Mangolds peinlichstes Erlebnis

War ein großes Staatsbegräbnis …

Das ist ein Fanfarenstoß

Und es endet auch famos:

Braucht die Witwe einen Trost

Soll sie zu mir kommen – Prost!

Neben Mangold grüßet dunkel

Unser Steuermann Karl Bunkel:

Tiefbewegt und tränenblind

Kam uns jetzt zu Ohren:

Bunkel sank bei starkem Wind

Nördlich der Azoren.

Und genau wie die Gezeiten

Hat auch Bernstein Schattenseiten:

In mir ist’s nicht geheuer

Da schläft ein Zuckerstreuer

Und wenn der mal erwacht

Dann: Gute Nacht!

Auch aus unbelebten Sachen

Kann der Dichter etwas machen:

Horch, ein Schrank geht durch die Nacht

Voll mit nassen Hemden.

Den hab’ ich mir ausgedacht,

um Euch zu befremden.

So schläft ein Lied in allen Dingen –

Man muss es nur in Reime bringen:

In Mannheim stand ein Automat

Um die Jahrhundertwende

Der jedem gegen’s Schienbein trat,

der dafür zahlte. Ende.

Aber damit nicht genuch,

noch fehlt der finale Spruch:

Die schärfsten Kritiker der Elche

Waren früher selber welche.

Nun, der Kritiker muss schweigen

Und kann sich nur stumm verneigen

Fritz, vor Deiner Poesie:

Großmacht Bernstein wirst Du nie!

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