Zeitung Heute : Blitzschnell beim Jubiläum

Beim 30. Berliner Lauf über 25 Kilometer stellen Mary Keitany und Samuel Kosgei aus Kenia zwei neue Weltrekorde auf

Erster. Samuel Kosgei lief so schnell wie keiner vor ihm. Foto: Thilo Rückeis
Erster. Samuel Kosgei lief so schnell wie keiner vor ihm. Foto: Thilo Rückeis

Dreimal husten, dann scheint alles wieder gut. Als sei eben nichts passiert, keine 25 Kilometer durch die Stadt, kein Weltrekord. Entspannt wie eine Freizeitläuferin wirkte die Kenianerin Mary Keitany am Sonntag im Ziel, obwohl sie die 25 Kilometer gerade so schnell gelaufen war wie vor ihr noch keine Frau auf der Welt: 1:19:53 Stunden. Die bisherige Bestzeit hatte die Japanerin Mizuki Noguchi gehalten mit 1:22:13, es war ihre Durchgangszeit beim Berlin-Marathon 2005.

Den alten Weltrekord hat die kleine 28-Jährige in Grund und Boden gelaufen, doch das war nicht alles bei diesem Big 25. Zuvor hatte ihr Landsmann Samuel Kosgei ebenfalls einen neuen Weltrekord aufgestellt mit 1:11:50 und die sechs Jahre alte Bestmarke des mit ihm nicht verwandten Paul Kosgei von 2004 (1:12:45) unterboten. Zwei Weltrekorde, bei den Frauen und den Männern, in einem Straßenlauf – das gab es noch nie.

Es gab schon Weltrekorde, die schwerer vorherzusehen waren als diese beiden. Denn am Sonntag war Weltrekordwetter in Berlin. Weltrekordwetter ist nicht das schönste Wetter, es ist bedeckt und frisch, auf jeden Fall muss es windstill sein. Die Temperaturen um 15 Grad bekamen den Läufern bestens.

Es gab noch etwas anderes, das zu diesem Doppelerfolg beitrug: eine ausgezeichnete Renneinteilung. Im vergangenen Jahr waren die Spitzenläufer noch losgerast, als ob es ein 10-Kilometer-Rennen wäre, diesmal achteten sie auf ihren Kräftehaushalt.

So hatten die schnellsten Männer nach 10 Kilometern noch Reserven und zogen das Tempo noch einmal an. Pro Kilometer benötigten sie zwischen 2:40 Minuten und 2:56 Minuten. Nur einmal schlug diese Statistik ein wenig nach oben aus, als es auf der Neuen Kantstraße bergauf ging, brauchten die Schnellsten 3:01 Minuten.

Am Ende war es bei den Männern ein Zweikampf, auch das trug zur Weltrekordzeit bei. Samuel Kosgei und sein Landsmann Gilbert Kirwa halfen sich gegenseitig, kurz vor Schluss machte sich dann Kosgei auf und davon, doch auch Kirwa blieb mit 1:11:58 noch klar unter der bisherigen Weltrekordzeit.

Paul Kosgei hatte die Bestmarke immerhin sechs Jahre gehalten. „Ich dachte, ich wäre sie schon nach ein oder zwei Jahren wieder los“, sagte der Kenianer. Am Sonntag versuchte er, den Rekord zu verteidigen. Doch im Februar hatte ihn eine Sehnenverletzung behindert, deshalb konnte er nur zwei Monate trainieren. Er wurde Sechster in 1:13:48 Stunden und hatte am Ende nichts mehr zuzusetzen. Als er nach dem Lauf auf der Empore des Olympiastadions stand, wirkte er jedoch gar nicht wie einer, der gerade etwas verloren hat. „Ich bin glücklich“, sagte er. Und warum? „Weil wieder ein Kenianer den Rekord gebrochen hat.“

Sieger Samuel Kosgei hatte in Berlin zuletzt nur einen Arbeitsauftrag zu erfüllen gehabt, beim Berlin-Marathon sollte er bis Tempo 30 Tempo für den späteren Sieger Haile Gebrselassie machen. Das gelang ihm so gut, dass er zeitgleich mit Gebrselassie die 30-Kilometer-Marke in Weltrekordzeit passierte.

So war der Big 25 gestern auch eine Vorstellung von schnellen kenianischen Läufern für die nächsten großen Marathons. Auch Mary Keitany hat über 42,195 Kilometer noch ein besonderes Ziel: eine Medaille bei den Olympischen Spielen 2012 in London. Am Sonntag zeigte sie, dass von ihr sicher noch mehr zu hören sein wird.

Dabei hatte sie erst im Juni 2008 einen Sohn geboren, Jared. Ein halbes Jahr später begann sie wieder mit dem Training. Und im Herbst 2009 wurde sie Weltmeisterin im Halbmarathon. Auch ein Berliner hat seinen Anteil an diesem Weltrekord, Robert Krebs vom SCC, der bis zu Kilometer 23 Tempo für Keitany machte. „Sie war so entspannt“, sagte Krebs. Aber über noch etwas hat er sich gewundert: „Es klatscht ganz schön bei ihr, sie hat einen ziemlich lauten Schritt.“

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