Zeitung Heute : Bloß keine Fischbrötchen

Der Tagesspiegel

Zum guten Ruf einer Diva gehört nun mal Launenhaftigkeit, ein laxer Umgang mit den Verpflichtungen des Terminkalenders, Unzuverlässigkeit alles in allem. Das war bei Marilyn Monroe so, warum sollte es bei Robbie anders sein? Ja, manches Mal habe sie das Fernsehteam warten lassen, verriet Karsten Speck über seine Serienpartnerin. Dann sei sie für eine Stunde im Bodden verschwunden und habe Quallen gefressen, „Ihre Ration Gummibärchen“, wie das wartende Team dann juxte. Seelöwen haben schon einen absonderlichen Geschmack.

Ungewohnte Töne hallten gestern Vormittag durch die Atriumhalle des ZDF-Hauptstadtstudios im Zollernhof Unter den Linden. Erst die „Robbie, Robbie“-Lockrufe einer ersten Klasse der Karlshorster Richard-Wagner-Grundschule, stellvertretend für das Publikum der erfolgreichen Vorabendserie „Hallo Robbie“ eingeladen, dann das „Oiink, oiink“-Geheule des Stargasts.

Die kalifornische Seelöwin, an sich gebürtige Spanierin, paddelt sonst durch einen spanischen Freizeitpark und war auf der Durchreise nach Rügen. Dort starten Ende April die Dreharbeiten für die zweite Staffel der Serie, wieder mit Karsten Speck als Meeresbiologe Dr. Jens Lennart, der jungen Laura Lehnhardt als Tocher und Karina Kraushaar als seiner Assistentin. Sechs Folgen samt Pilotfilm waren es beim ersten Mal, diesmal wurde die medien- und zirkuserfahrene Robbie samt ihren Trainern René und Roland Duss für gleich zehn Folgen gebucht. Bei bis zu 6,35 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von bis zu 22,6 Prozent scheint der Erfolg fürs ZDF so sicher wie der für Robbie beim Jagen einer Qualle.

Zum Glück gehörten zum bereitgestellten Imbiss im Atrium keine Fischbrötchen, denn wenngleich Robbie sehr diszipliniert hereingewatschelt kam – man weiß ja nie, zu welcher Leidenschaft ein Seehundherz angesichts eines Bismarckherings fähig ist. Die Knirpse juchzten und quietschten gehörig, als sich die nasse Seehunddame unter sie mischte und mit bärtiger Schnauze beschnupperte. Hinreichend Ersatz für den Spielgefährten draußen im Lastwagen war also gegeben. Mindestens ein weitere Seelöwe sei immer dabei, wenn Robbie auf Reisen gehe, verrieten die Trainer, schließlich seien es Herdentiere mit hohem Spieltrieb. Während der Fahrt enthält das Becken im Laderaum nur wenig Wasser, bei Übernachtungen wird immer wieder aufgefüllt. Zehn Jahre ist die Seelöwin alt, das Training begann sofort, nachdem der junge Heuler von der Muttermilch entwöhnt war. Sachte, mit Hinterherlaufen, hatte es begonnen, jetzt hat fast alles im Tagesablauf erzieherischen Nebenzweck, ohne Druck aber, als „grundsätzlich positives Training“.

Gut 80 Kilo wiegt Robbie, verputzt Tag für Tag sechs Kilo Fisch und hat Karsten Speck natürlich „eine ganz tolle Erfahrung“ bereitet. Ohnehin arbeitet er gerne mit Kindern und Tieren, muss nur leider Pferde aussparen, wegen einer Allergie. „Natürlich rechnet man bei Serien mit Kindern und Tieren mit einem Erfolg“, sagt Speck, nimmt das aber gleich wieder zurück: Garantiert seien die hohen Quoten nicht. Zu sehen sind er und Robbie voraussichtlich wieder ab Weihnachten, in der ersten Folge muss ein in den Bodden gestürzter Gleitschirm-Pilot gerettet werden. Ein grässlicher Unfall, schon wegen der Quallen. Andreas Conrad

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