Zeitung Heute : Bloß nicht rumtrödeln Lukas Richter ist 18 und steht kurz vorm Bachelor

Andrea Puppe
Foto: privat
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Ein Abi-Schnitt von 1,5? Da hatten wohl einige mehr von Lukas Richter erwartet, als er im Alter von 16 Jahren die Schule abschloss. „Ich war schon zu sehr mit dem Studium beschäftigt“, stellt Lukas Richter lapidar fest. „Das Abitur brauchte ich ja nur, um studieren zu können – da war mir der Schnitt ziemlich egal“, sagt er. Mittlerweile ist er 18 Jahre alt, studiert regulär seit dem Wintersemester 2010/11 Mathematik an der TU Berlin und ist derzeit im Rahmen des Erasmus-Programms der Europäischen Union ein Jahr lang an der Universität Ljubljana in Slowenien eingeschrieben.

Bei Lukas Richter geht alles ein bisschen schneller als bei anderen. An der Schule war er ein Schnellläufer und übersprang zweimal eine Klasse. Mit 15 begann er während der 12. Klasse mit dem Schülerstudium an der TU Berlin. Die dabei erworbenen Scheine konnte er sich später als regulärer Student anrechnen lassen. Inzwischen sind nur noch zwei Prüfungen und die Bachelorarbeit offen, dann hat er auch seinen Bachelor absolviert.

Der angehende Mathematiker interessiert sich insbesondere für algebraische Topologie. „Da befasst man sich zum Beispiel damit, Kriterien zu finden, wann sich zwei geometrische Objekte nicht ineinander überführen lassen“, erläutert er. Anwendungen für dieses Spezialgebiet der Mathematik gebe es unter anderem in der Physik und in der Robotik.

Der Gedanke, seinen Horizont im Ausland zu erweitern, kam Lukas Richter ebenfalls deutlich früher als den meisten Studierenden. „Eigentlich wollte ich nach England, doch das Angebot der Universität von Ljubljana war fachlich spannender für mich“, berichtet er. Seit dem Wintersemester 2011/12 ist er nun in Slowenien. Zuvor lernte er etwa 200 Vokabeln. Das genügte erst einmal, um Texte und Tafelbilder zu verstehen. Über das Erasmus-Programm hatte er schon in Berlin slowenische Studierende kennengelernt, und auch in Ljubljana fiel es ihm nicht schwer, Kontakte zu knüpfen. Mit seinen Kommilitonen unternimmt er zum Beispiel an den Wochenenden Ausflüge nach Kroatien oder nach Österreich.

Ein Vorteil des Auslandsstudiums im Südosten Europas sind die im Vergleich zum Wunschstudienland England niedrigeren Kosten für den Lebensunterhalt. Lukas Richter bezahlt 100 Euro für ein Zimmer im Studentenwohnheim, das er sich mit einem slowenischen Kommilitonen teilt. Und es gibt ein Gutscheinsystem in verschiedenen Restaurants, in denen die Studenten für zwei bis drei Euro essen können. So kommt Lukas Richter mit 190 Euro Stipendium, Kindergeld und einem Zuschuss seiner Eltern gut über die Runden.

Die Anforderungen seines Studiums seien vergleichbar mit denen an der TU in Berlin. Hausarbeiten und Übungen benötigen seiner Erfahrung nach einen ähnlichen Aufwand. Seinen Entschluss, nach Slowenien gegangen zu sein, hat er an keinem Tag bereut. Im Gegenteil: „Ich kann das nur jedem empfehlen – nicht groß denken, einfach machen“, sagt er.

Wenn er im nächsten Wintersemester zurück nach Berlin kommt, will Lukas Richter schnell seinen Master angehen. Danach ist natürlich die Promotion dran. „Vielleicht gehe ich dafür nach England oder in die USA“, überlegt er. Bis dahin ist noch Zeit. Aber bei ihm geht ja alles ein wenig schneller. Andrea Puppe

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