Zeitung Heute : Blütenpracht mit heilender Kraft

Pfingstrosen schmücken seit Jahrhunderten die Gärten. Inzwischen gibt es mehrere Tausend Sorten.

Schon seit Jahrhunderten schmücken Pfingstrosen (Paeonia) die Bauerngärten, wo sie mit ihren tiefroten Blütenbällen die Blicke auf sich ziehen. Ohne viel Pflege entwickeln sich die alten Horste prächtig, werden von Jahr zu Jahr größer und schöner. Lässt man sie über viele Jahre an zusagenden Standorten stehen, wachsen sie zu reich blühenden Pflanzen heran.

Wahrscheinlich wurden die ersten Pfingstrosen von den Benediktinermönchen in die Klostergärten eingeführt. Sie schrieben der Pflanze verschiedene Heilkräfte zu. Hildegard von Bingen (1098-1179), Äbtissin und wohl die bedeutendste Ärztin im frühen Mittelalter, schreibt in ihrer „Naturgeschichte“: „Wenn ein Mensch geisteskrank wird, so daß er nichts mehr von sich weiß und wie in Ekstase daliegt, dann soll man Paeonienkörner in Honig tauchen und auf seine Zunge legen. Dann werden die Kräfte der Päonie in sein Gehirn aufsteigen und ihn wecken, so daß er schnell wieder zu seinem Verstande kommt.“

Auch der botanische Gattungsname Paeonia bezieht sich auf ihre Heilkraft, denn sie wurde nach Paion benannt, dem Gott der Heilkunde. Er soll die Pflanze der Sage nach entdeckt haben und den Gott Pluto von Wunden geheilt haben, die ihm Herkules zugefügt hatte.

Die Heimat dieser beliebten Bauernpfingstrosen (Paeonia officinalis) ist Südeuropa, wo sie von Spanien über Südfrankreich und Norditalien bis nach Armenien wild vorkommen. Auch in den Südalpen wachsen sie an kalkhaltigen Sonnenhängen und kommen bis in Höhen von etwa 1800 Meter vor. Die Pflanzen werden etwa 60 Zentimeter hoch und bilden tief eingeschnittene Blätter und bis 13 Zentimeter breite Blüten mit gelben Staubbeuteln. In den Gärten sind vor allem gefüllte Formen der Bauernpfingstrosen vorhanden, bei denen es sich um uralte Gartenformen handelt, die schon seit dem Mittelalter kultiviert werden. Im Handel sind sie als „Rubra Plena“ oder „Purpurea Plena“ erhältlich. Inzwischen gibt es auch weiße, rosafarbene und einfach blühende Sorten der Bauernpfingstrosen, die weniger bekannt sind, da sie seltener im Handel angeboten werden. Zu ihnen gehören „Alba Plena“ (weiß, gefüllt), „Anemoniflora“ (rosa, anemonenblütig), „Mollis“ (dunkelrosa, einfach), „Rosea Plena“ (kräftiges Rosa, gefüllt) oder „Mutabilis Plena“ (lachsrosa, gefüllt).

Eine besonders hübsche Pflanze ist die Kleine Bauernpfingstrose (Paeonia officinalis ssp. humilis), die in Südwesteuropa ihre Heimat hat. Die Pflanze wird 40 bis 45 Zentimeter hoch und bildet dunkelgrüne Blätter mit 30 und mehr länglich-elliptischen Abschnitten. Darüber erheben sich von Mai bis Juni große schalenförmige Blüten in leuchtendem Karminrosa.

Von den Wildarten verdient auch die Netzblattpaeonie (Paeonia tenuifolia) besondere Beachtung. Sie ist von Südosteuropa bis zum Kaukasus verbreitet und lenkt mit ihren fein zerschlitzten Blättern und den purpurroten Blütenschalen die Blicke auf sich. Die Blüten sind ziegelrot bis purpurrot und erscheinen ebenfalls von Mai bis Juni.

Wesentlich verbreiteter als die Wildarten sind die Paeonia-Hybriden, auch Edelpfingstrosen genannt. Sie gehen vor allem auf Kreuzungen mit Paeonia lactiflora zurück. Diese Wildart stammt aus China, wo man schon vor tausend Jahren interessante Formen auslas. Von dem deutsch-russischen Botaniker P. S. Pallas 1776 als Wildart beschrieben, wurden die ersten Pflanzen Anfang des 19. Jahrhunderts in Kultur genommen. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts begannen die Europäer mit der Züchtung dieser Pfingstrosen, etwas später bemühten sich auch die Amerikaner um diese schöne Gartenpflanze. Einige der alten Sorten sind heute noch weit verbreitet und beliebt, wie „Primevere“, die weiß mit gelber Füllung blüht oder die reinweiß gefüllte „Festiva Maxima“, sowie die leuchtend rosa blühende „Sarah Bernhard“.

Im Laufe der Jahre vergrößerte sich das Sortiment enorm, wobei allerdings einige der alten Züchtungen oftmals nicht standfest genug waren und nach Regenwetter auseinanderfielen. Auch die großen Blütenbälle neigten sich infolge der Last oder die Knospen öffnen sich nicht bei nasskaltem Wetter.

In der Mitte des 20. Jahrhunderts begann man, einen neuen Sortentyp zu schaffen, der niedriger bleibt und mit straffen Stielen besticht. Dabei wurden auch andere Wildarten in die Züchtung einbezogen, so dass inzwischen viele Sorten vorhanden sind, die aus Vielfachkreuzungen entstanden sind. An die Stelle der gefüllten Blüten traten die halbgefüllten und einfach blühenden – sie werden bei Regen nicht so schwer und bewahren ihre aufrechte Haltung. Inzwischen ist das Sortiment an Pfingstrosen so umfangreich, dass man zwischen mehreren Tausend Sorten wählen kann. Allen gemeinsam ist ein angenehmer Duft, der von Sorte zu Sorte etwas abweicht und von zart bis intensiv reicht.

Pflanzzeit für alle Paeonien ist der Herbst, am besten der September. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich die Pfingstrosen im Ruhezustand und beginnen allmählich mit der Bildung neuer Faserwurzeln. Dann wachsen sie besonders gut an.

Bestellt man Pfingstrosen bei einem Pflanzenversand, erfolgt der Versand meist erst Mitte Oktober. Auch die spätere Pflanzzeit bekommt den Pfingstrosen gut und wirkt sich nicht negativ auf die Entwicklung und Blühfreudigkeit im darauffolgenden Jahr aus. Man wählt einen sonnigen Platz und lockeren, nährstoffreichen Boden, der lehm- und kalkhaltig ist.

Damit sich die Pflanzen optimal entwickeln, benötigen sie viel Platz und sollten deshalb etwa einen Quadratmeter zugebilligt bekommen. Sehr wichtig für die Blühfreudigkeit ist die Pflanztiefe, das heißt, die Augen sollten zwei, maximal drei Zentimeter mit Erde bedeckt sein. Schließlich setzt sich der lockere Boden nach dem Pflanzen noch etwas und die Pfingstrosen rutschen dadurch von selbst noch etwas tiefer. Günstig ist, den Pflanzen im ersten Winter etwas Schutz zu geben. Anhäufeln oder das Bedecken der Fläche mit Torf ist die beste Methode.

Obwohl die Pfingstrosen einen hohen Bedarf an Nährstoffen haben, sind mineralische Düngergaben nicht zu empfehlen. Optimal ist im Herbst eine Decke aus Stallmist – aber wer kann sich heute diesen Luxus leisten? Deshalb empfiehlt sich, eine Gabe Kompost oder Hornspäne, die bis zum nächsten Herbst als Wegzehrung reichen.

Einmal in den Garten gepflanzt, können die Pfingstrosen viele Jahre am gleichen Standort bleiben, ein Umsetzen ist nicht erforderlich – ganz im Gegenteil: Oft erreichen sie erst nach mehreren Jahren ihre volle Blühkraft, die in der Regel über Jahrzehnte anhält.

So richtig zur Geltung kommen die Pfingstrosen am besten in Gemeinschaft mit anderen Stauden, die aus dem Bauerngarten bekannt sind und vom Frühsommer bis zum Herbst die Staudenrabatte zieren. Hierzu gehören zum Beispiel hohe Tulpen (Tulipa-Hybriden), die prachtvollen Margeriten (Leucanthemum) ebenso wie Rittersporne (Delphinium-Hybriden) und Astilben (Astilbe-Hybriden).

Dazwischen gepflanzte Madonnenlilien (Lilium candidum) bereichern die Palette der Begleitpflanzen noch erheblich. Auch mit Blütengehölzen wie Deutzie (Deutzia), Scheinquitte (Chaenomeles), Schneeglöckchenstrauch (Halesia) oder Kolkwitzie (Kolkwitzia) im Hintergrund lassen sich schöne Bilder schaffen.

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