Zeitung Heute : Blütenträume

Im Frühjahr zeigen vor allem die exotischen Ziergehölze ihre ganze Pracht

Helgard Below
262037_0_4040ed12.jpg
Als hängende Trauben präsentieren sich die Blüten der Robinia pseudoacacia „Casque Rouge“. Foto: Helgard Below

Die meisten heimischen Bäume blühen eher unauffällig, bei den Exoten gibt es dagegen regelrechte Blühwunder. Auf der Beliebtheitsskala ganz oben stehen die aus Asien eingeführten Magnolien. Ob jahrhundertealter Park oder moderner Hausgarten, sie sind fast überall zu finden, gehören sie doch zu den frühesten und auffälligsten Blütengehölzen des Jahres. Zudem bieten sie eine erstaunliche Vielfalt.

Zu ausladenden zehn Metern, gespickt mit weißen Blüten, wächst die Kobus-Magnolie heran und zieht alle Blicke auf sich. Bis sechs Meter hoch wird die Stern-Magnolie ,Leonard Messel‘ mit grazilen rosa Blütensternen. Die Kleine Stern-Magnolie erreicht nur zwei bis drei Meter Wuchshöhe. Ihre weißen Strahlensonnen sorgen für romantische Frühjahrsstimmung in kleinen Gärten oder im Kübel auf Balkon oder Terrasse. 25 Zentimeter große, weiße bis dunkelrosa „Tulpen“ trägt die bekannteste Art, die Tulpen-Magnolie. Als Kleinbaum ist sie ebenso wie die Purpur-Magnolie ein wunderbares Blütengehölz für den Hausgarten. Letztere bezaubert durch ihre weinroten, lilienartigen Blütenblätter. Magnolienblüten leiden häufig unter Spätfrösten. Frostunempfindlich ist einzig die Sommer-Magnolie, da sich ihre schalenförmigen weißen Blüten mit leuchtenden, roten Staubgefäßen erst im Juni und Juli öffnen.

Wie ein Schwarm weißer Tauben wirken die Blüten des Taschentuchbaums, der daher auch Taubenbaum genannt wird (Davidia involucrata). Die lindenartigen Blätter des kleinen Baumes sind im Mai und Juni von großen, weißen Hochblättern durchsetzt. Etwas zerknittert, baumeln sie wie Taschentücher an den Zweigen und umhüllen die unscheinbaren braunen Blüten. Der Taschentuchbaum ist ein malerisches Solitärgehölz, das seine Blühreize allerdings erst nach dem zwölften Jahr entfaltet. Ein besonders schönes, altes Prachtexemplar kann man im späten Frühjahr im Botanischen Garten in Dahlem bewundern.

Aus Südeuropa stammen die bis zu sechs Meter hohen Judasbäume (Cercilis siliquastrum) mit ihren zart duftenden purpurrosa Blütenbüscheln. Sie sitzen direkt am dunklen Stamm und an den Ästen und erscheinen im Frühjahr noch vor dem Austrieb der hellgrünen, runden Blätter. Judasbäume reagieren empfindlich auf kalte Füße und lieben daher heiße Lagen. Ähnlich blüht der japanische Kadsurabaum (Cercidiphyllum japonicum). Er ist frosthärter und bringt im Herbst eine brillante, gelborange Herbstfärbung hervor.

Der Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa) aus China ist eine Pflanze der Superlative: die Blätter so groß wie Elefantenohren, die blauvioletten Blütentrauben wie stattliche Kronleuchter. Schnell wächst er zu einer Höhe von zwölf Metern heran und bildet einen exotischen Hausbaum, dekoriert mit blauen Glockenblüten. Er ist frostempfindlich und sollte daher einen vollsonnigen, windgeschützten Standort bekommen. In China gilt er als Glücksmagnet und wurde daher häufig in Palastgärten gesetzt.

Prachtvoll und dicht gefüllt wie Edelrosen prangen die Blüten der japanischen Kamelie in allen Rot- und Weißschattierungen. Der Kleinbaum kann 1000 Jahre alt werden und ist erst mit 300 Jahren und etwa 15 Metern Höhe ausgewachsen. Er kann nur in milden Lagen im Freien überwintern, ansonsten benötigt er einen frostfreien Standort im Wintergarten. Sorten wie ,Berenice Boddy‘ in Zartrosa‚ ,Black Lace‘ in samtigem Blutrot und ,Mansize‘ in Reinweiß gelten als bedingt winterhart. Gemäß ihrem natürlichen Vorkommen in Berg- und Küstenwäldern liebt die Pflanze saure, humose Böden, Halbschatten und hohe Luftfeuchtigkeit. In der Wachstumsphase muss sie regelmäßig gewässert werden.

Zu den wenigen sommerblühenden Zierbäumen gehört der Trompetenbaum (Catalpa bignonioides) mit breiter, großer Krone. Er wächst in Mitteleuropa langsam und erreicht erst nach vielen Jahren seine maximale Höhe von zwölf Metern. Die Blätter sind groß und herzförmig. Im Juni und Juli schmückt er sich eindrucksvoll mit bis zu 30 Zentimeter großen Blütenrispen. Die einzelnen Blüten haben die Form von kleinen Trompeten. Ab August entwickeln sich 40 Zentimeter lange, bohnenartige Früchte. Oft zieren sie den Baum bis ins nächste Jahr. Im Austrieb zitronenfarbene und später grünlichgelbe Blätter trägt die kleinere Sorte ,Aurea‘. Orangegrüne Becher in Tulpenform schmücken den Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera) im Juni. Bei bis zu 35 Metern Größe passt er nur in große Gärten oder Parks.

Aus der afrikanischen Savanne könnte die Robinie stammen, sieht sie doch aus wie eine Akazie. Sie kommt jedoch aus Nordamerika. Mit fein gefiederten, hellgrünen Blättern und dunkler, gefurchter Rinde gibt sie einen hohen Charakterbaum ab. Die ausgeprägte, im Alter schirmförmige Silhouette wirft einen angenehmen, lichten Schatten. Im Maiwind schaukeln cremeweiße Blütenrispen an den Ästen und duften intensiv süßlich.

Ein einheimisches Blühwunder ist der Spitzahorn. Er treibt grüngelbe Blütensträußchen, noch bevor das Laub erscheint. Heimisch ist auch die Traubenkirsche. Von April bis Mai bildet sie herabhängende, weiße Blütentrauben mit intensivem Bittermandelaroma. Schon vor langer Zeit aus Südosteuropa eingebürgert wurde die Rosskastanie, ein Großbaum mit auffälligen weißen Blütenkerzen. Sein Name rührt daher, dass die Früchte aus den stacheligen Kapseln äußerst beliebt sind bei Pferden. Weniger häufig ist die mittelgroße, rotblütige Scharlach-Rosskastanie.

Sehr dekorativ sind auch die Zierformen von Apfel, Pflaume und Kirsche. Da ist für jeden Geschmack und jeden Garten etwas dabei. Besonders attraktive Zuchtformen des Wildapfels sind die Sorten ,Eleyi‘ mit einer Wolke aus tiefroten Blüten und im Herbst purpurnen Zier-Äpfeln, ,Hilieri‘ mit zarten rosa Blüten und später gelborangen Früchten oder ,Golden Hornet‘ mit weißen Blüten und leuchtend gelben Mini-Äpfeln. Die üppige rosa Blüte der Blut-Pflaume wird noch durch die intensiv schwarzroten Blätter hervorgehoben. Die vielen Sorten der Zierkirschen stammen aus Japan. Einige produzieren wahre Blütensensationen, wie ,Kanzan‘ in kräftigem Rosa, ,Pink Perfection‘ in Karminrosa oder ,Shirofugen‘ in gefüllten, weißrosa Büscheln. Wie fliegende Blütenteppiche strecken sich die über und über mit reinweißen Blüten besetzten Zweige der Tokyo-Kirsche mehrere Meter in die Waagerechte. Zierlicher und natürlicher kommen die Schneekirschen (Prunus subhirtella) daher. Mit weniger dichten, nur leicht gefüllten rosa Blüten versprühen ,Fukubana‘ oder ,Autumnalis Rosea‘ den Charme einer anmutigen Frühlingsfee.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!