Zeitung Heute : BMW: Das Rad schneller drehen

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Eine Kurbelwelle aus der Boxer-Reihe und ein Motorradmodell (R 1200 Cruiser), dies waren die handfesten Stücke, die vergangenen Donnerstag auf dem BMW-Gelände in Spandau in die Grundstein-Trommel gelangten. Denn Berlins fünftgrößter Arbeitgeber, die BMW AG in Spandau, errichtet ein 16 000 Quadratmeter großes Produktionsgebäude für die Motorradfertigung. 230 Mio Mark kostet der Erweiterungsbau samt Einrichtung. Im Herbst nächsten Jahres soll alles so weit fertiggestellt sein, dass darin die Fahrzeugmontage aufgenommen werden kann. Der Abschluss aller Umbauarbeiten ist für den Sommer 2003 geplant.

Wie berichtet, brechen die Spandauer seit acht Jahren ihren jeweiligen Vorjahres-Produktionsrekord - in 2000 wurden hier knapp 75 000 Einzylinder-, Zweizylinder-Boxer- und Vierzylindermaschinen hergestellt, was einen Umsatz von 927 Mio Euro erbrachte, sagte Norbert Reithofer, für die Produktion zuständiges Vorstandsmitglied des Unternehmens. Und in diesem Jahr sieht es nach Angaben des Leiters des Berliner Werkes, Marco von Maltzan, so aus, als würde es weiter bergauf gehen. Dabei hat sich die Entwicklung bei BMW von der des Marktes weitgehend abgekoppelt - wuchs der Gesamtmarkt in den vergangenen Jahren durchschnittlich um fünf Prozent, waren es bei BMW mit elf Prozent deutlich mehr.

Das bei den Kunden beliebteste Modell ist die R 1150 GS, sie war vergangenes Jahr unter allen Angeboten auf dem deutschen Markt das meistverkaufte Modell. Aber auch die Einzylinder-GS ist gefragt, sie kam immerhin auf den vierten Rang der Gesamtwertung. Für Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner ist dieser Erfolg sowie der Ausbau des Werkes ein Beleg dafür, dass Berlin auch ein guter Standort für die "old economy" ist. So hat BMW seit der Wende hier etwa eine Milliarde Mark investiert.

Die alten Produktionsanlagen jedoch, die mehrfach auf die neuen Anforderungen umgebaut wurden, reichen nun bald nicht mehr aus - schließlich wurden 1993 noch 170 Motorräder pro Tag zusammengesetzt, heute sind es etwa 400 - das tägliche Werk von insgesamt 1690 Mitarbeitern der Motorradfertigung. Darüber hinaus werden in Spandau auch Autoteile hergestellt, daran wiederum arbeiten weitere 700 Beschäftigte.

Das neue Gebäude wird die neue Lackieranlage, die Vormontage, die Finish- und Verpackungsbereiche aufnehmen. Im Obergeschoss werden die Komponenten also lackiert und zu größeren Einheiten zusammengesetzt, dann über eine Verbindungsbrücke in das bereits vorhandene Werksgebäude transportiert. Dort findet auch weiterhin der Zusammenbau der eigentlichen Motorräder statt - die Grundmontage. Danach gelangen die Fahrzeuge wieder in den Neubau, wo (an den Finishbändern) die Verkleidungsteile angeschraubt werden.

Um der Kundennachfrage schneller zu begegnen, wird auch der Maschinenpark modernisiert. 20 neue Bearbeitungszentren für Motorgehäuse und Zylinderköpfe werden angeschafft, in denen jeweils mehrere Bauteile gleichzeitig bearbeitet werden. In der neuen Lackieranlage arbeiten später natürlich Roboter, aber die Zierlinien auf Tanks und Schutzblechen werden weiterhin von Hand aufgetragen - das ist hier so Tradition.

Auf einen modernen Stand gebracht wird überdies das Förderbandsystem. Es besteht aus hakenförmigen Transportträgern, die in Schienen an der Hallen-Zwischendecke laufen. Anfangs liegt auf dem Träger nur der Strang aus Motor, Getriebe und Achsantrieb, dann wird das jeweilige Motorrad um diesen Kern herum komplettiert.

Was das aber für ein Bautyp werden und welche Ausstattungsmerkmale er erhalten soll (dazu gehören auch die Farbe und die jeweilige Länder-Ausführung), das wird künftig elektronisch der jeweiligen Montagestation mitgeteilt.

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