Zeitung Heute : Bob Woodward befaßt sich in seinem neuen Werk mit den Auswirkungen des Skandals

Gerti Schön

Der Rücktritt Richard Nixons im Sommer 1974 gehört mit zu den dramatischsten innenpolitischen Ereignissen der amerikanischen Geschichte. Entscheidend dazu beigetragen hat "Washington Post"-Reporter Robert ("Bob") Woodward, der mit seinem Kollegen Carl Bernstein ein so dichtes Netz an Informanten aufgebaut hatte, dass er im Watergate-Skandal genug Beweise gegen den Präsidenten in der Hand hatte.

Mit derselben Dramatik, die "Watergate" begleitete, präsentiert Bob Woodward nun sein neues Buch: "Shadows - fünf Präsidenten und das Erbe von Watergate" heißt das 500 Seiten starke Werk, und es befasst sich mit den Auswirkungen von "Watergate" auf die US-Staatsoberhäupter, die Nixon nachfolgten. Manche Passagen daraus lesen sich genauso spannend wie ein Polit-Krimi: "Mister President", sagte Clintons Anwalt Bob Bennett mit seinem eindringlichen Bariton. "Ich finde Ihre Erklärungen über diese Frau ehrlich gesagt reichlich unglaubhaft. Aus diesem Stoff wird eine Amtsenthebung gemacht. Ihre politischen Feinde werden Sie lebendig zerreißen, wenn auch nur eine Ihrer Aussagen unwahr sein sollte. Dann sind Sie tot! Tot!" rief Bennett. "Ich höre Sie", sagte der Präsident.

Doch so lebhaft und wirklichkeitsnah sein Stil ist, Woodward kann bei diesen Gesprächen nicht persönlich dabei gewesen sein. Umso peinlicher ist es für ihn, dass sich nach dem Erscheinen des Buches gleich zwei seiner Quellen von den Passagen distanzierten, in denen sie vorkommen. Einer der beiden ist eben jener Clinton-Anwalt, Bob Bennett. Er protestiert aus gutem Grund: Sollte er Woodward direkt von seinen Gesprächen mit dem Präsidenten erzählt haben, würde das bedeuten, dass er den Vertraulichkeitsgrundsatz gebrochen hat.

Woodwards Buch erntete trotz seiner spannenden Stilistik mehr Kritik als Lob in der amerikanischen Presse. Mehr noch, auch sein Arbeitgeber, die "Washington Post", erteilte ihm schlechte Noten. Seine eigenwillige Art, Quellen nicht direkt zu benennen, brachte ihm sogar eine Rüge von der Ombudsfrau der "Post", Geneva Overholser, ein. Sie weist darauf hin, dass eine der wichtigsten Regeln, die Zeitungen respektieren sollten, ist, dass grundsätzliche Informationen über die Quellen geliefert werden müssen.

Bob Woodward ist bei der "Washington Post" noch immer ein anerkannter Autor. Er ist jedoch nur noch wenig mit dem Tagesgeschäft befasst, sondern verbringt die meiste Zeit damit, Hintergrundgeschichten und Bücher zu schreiben. Das ruft natürlich den Neid der Kollegen hervor, die sich um den Kleinkram kümmern müssen. Manche reden sogar davon, Woodward wäre gerne Chefredakteur geworden, was ihm jedoch versagt worden sei. Denn unter seiner Ägide wurde 1981 eine mit großem Pomp angekündigte Recherche über ein drogensüchtiges Kind gedruckt, das sich im Nachhinein als Erfindung herausstellte.

Woodward hatte diese Praxis, seine Quellen nicht preiszugeben, schon im Watergate-Skandal angewandt. Die brisantesten Informationen kamen damals von dem berüchtigten "Deep Throat", dessen Identität Woodward bis zu dessen Tod geheim halten will. Doch im vergangenen Jahr behauptete Woodwards Buchagent, "Deep Throat" sei nicht nur eine Quelle gewesen, sondern ein Sammelsurium von Informanten. Woodward hat also offenbar schon immer mit literarischen Kniffen gespielt.

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