Zeitung Heute : Bodendecker für den Halbschatten

Taubnesseln haben nicht nur attraktive Blüten, sondern auch schön gezeichnete Blätter

Tassilo Wengel

Fast in jedem Garten gibt es Flächen, die nicht von der Sonne verwöhnt werden. Die Taubnessel (Lamium), eine anspruchslose, mit schön gezeichneten Blättern und attraktiven Blüten versehene Staudengattung, eignet sich vorzüglich für diese Bereiche. An den Boden stellen die Pflanzen keine großen Ansprüche, wachsen jedoch auf lockerem, frischem Gartenboden am besten, sofern er nicht zu humusarm ist und zu schnell austrocknet. Man verwendet die Arten und ihre Sorten vor allem als pflegeleichte Bodendecker am Fuß von größeren Büschen, zwischen Gehölzgruppen sowie auf halbschattigen Plätzen.

Der volkstümliche Name Taubnessel bezieht sich auf die Ähnlichkeit der Blätter mit denen der Brennnessel. Dagegen leitet sich der botanische Name vom lateinischen lama oder dem griechischen laimos (Rachen oder Schlund) ab. Er nimmt Bezug auf die rachenförmige Gestalt der Blüten, die mit ihrem offenen Schlund und den Ober- und Unterlippen die Familie der Lippenblütler (Labiatae) bezeichnen. Zur Gattung Lamium gehören etwa 40 Arten, die in Europa und Vorderasien beheimatet sind.

Am bekanntesten dürfte von den sechs heimischen Arten die Weiße Taubnessel (Lamium album) sein, die auf Schuttplätzen, an Wegen oder auf Bahndämmen wächst. Sie ist für den Hausgarten nicht interessant. Anders ist das mit der Gefleckten Taubnessel (Lamium maculatum), die vor allem in Laub- und Mischwäldern sowie an Wald- und Gebüschrändern zu finden ist. Mit ihren zahlreichen Sorten gehört sie zum Standardsortiment des gut sortierten Fachhandels. Typisch für die Art sind die oberirdischen Ausläufer, die sich bei Auflage auf den Boden bewurzeln und am Ende in attraktive Blütenstände übergehen. Die Blüten sind rötlichpurpurn, erscheinen von April an und entfalten sich in unablässiger Folge bis zum August. Da sie reichlich süßen Nektar enthalten, werden sie vor allem von Hummeln und Bienen besucht. Das Laub ist sehr variabel von grün bis vollständig weiß, goldgelb, silbern oder mit weißen Streifen versehen. Durch diese Vielfalt an Blattfarben konnte man zahlreiche Sorten auslesen, die inzwischen zu einer fast unüberschaubaren Fülle führten. Zur besseren Übersicht teilt man das Sortiment nach Blattfarben geordnet in verschiedene Gruppen ein.

Eine der besten Sorten seit gut 30 Jahren mit silbrigweißem Laub und grünen Blatträndern ist ,Bacon Silver‘. Sehr attraktiv sind die kräftig purpurroten Blüten über schönen, kräftig wachsenden, 20 bis 25 Zentimeter hohen Teppichen. Einzige weiß blühende Sorte mit silbrigweißem, grüngerandetem Laub ist ,White Nancy‘. Sehr hübsch anzusehen, sind auch einige rosa blühende Sorten, beispielsweise ,Pink Pewter‘, deren Laub grauweiß ist. Darauf nimmt auch der Name „Pewter“ (Zink) Bezug. Eine andere schöne, in hellem Rosa blühende Sorte ist ,Wooton Pink‘. Sehr apart sind Sorten mit silbrigweißem Streifen, von denen ,Chequers‘ altbekannt und bewährt ist. Sie bildet dichte Teppiche und entfaltet ab Mai kräftig purpurrote Blüten. Mit ihrem attraktiven Silberstreifen schmückt sie sich allerdings nur im Winter, denn im Sommer vergrünt das Blatt. Eine Zierde an halbschattigen Plätzen ist auch die reinweiß blühende Lamium maculatum ,Album‘. Unter den gelbblättrigen Vertretern zeigt Lamium maculatum ,Aureum‘ ebenfalls einen Silberstreifen, der allerdings nicht sehr auffällig ist. Etwas schwächer wächst ,Cannons Gold‘, mit rein goldgelben Blättern. Beide Sorten blühen von Mai bis August.

Von Mitteleuropa bis zum Ural kommt die Goldnessel (Lamium galeobdolon) in krautreichen Laub- und Mischwäldern wild vor. Die vierkantigen Triebe sind mit immergrünen Laubblättern besetzt, die auf dunkelgrünem Grund eine schöne silbrigweiße Zeichnung tragen. Die Triebe können meterlang werden und bilden an den Blattknoten Wurzeln. Im Frühjahr erheben sich die Triebe bis zu 30 Zentimeter hoch und schmücken sich mit großen quirlartig aufgereihten, goldgelben Blüten. Sie sitzen in mehreren Etagen zusammen. Im Handel gibt es einige Sorten, von denen ,Variegatum‘ syn. ,Florentinum‘ (Laub grün, silbrigweiß gefleckt) sehr kräftig wächst und schnell wuchert. Empfehlenswerter ist die schwachwüchsige Sorte ,Silberteppich‘ (Laub silbrigweiß mit grünen Adern).

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