Zeitung Heute : Bodendecker und Kletterpflanze

Für fast jede Gelegenheit gibt es eine passende Sorte vom Spindelstrauch

Tassilo Wengel

Die meiste Zeit des Jahres ist der Spindelstrauch unauffällig. Es ist mehr ein Zufall, wenn man ihn an Waldrändern zwischen anderen Gehölzarten entdeckt. Erst im Spätsommer und im Herbst wird er durch die schönen rot-gelben Früchte zum Blickfang. Schaut man sich die Früchte näher an, wird eine viergeteilte Form deutlich. Sie erinnert an die Kopfbedeckung katholischer Geistlicher und brachte der Pflanze den Namen Pfaffenhütchen ein. Die botanische Bezeichnung der Gattung Euonymus ist von eu (gut) und onyma (Name) abgeleitet und bezieht sich auf den guten Ruf, den die Pflanze einst besaß. So werden in alten Kräuterbüchern, beispielsweise im Kräuterband von Matthiolus-Camerarius von 1586, die Früchte zur Herstellung von Salben gegen Kopfläuse empfohlen. Übrigens: Alle Pflanzenteile, vor allem die Samen sind sehr giftig.

Das Pfaffenhütchen wächst als Strauch oder kleiner Baum von Europa bis Westasien und ist eine aus der etwa 120 Arten umfassenden Gattung der Spindelbäume (Euonymus). Es gibt immergrüne und sommergrüne Arten, wobei sich die sommergrünen Arten durch einen schönen Fruchtbehang und eine prächtige Laubfärbung auszeichnen. Sie werden deshalb gelegentlich als Ziergehölze in den Gärten gepflanzt.

Dagegen schmücken sich die immergrünen Arten nicht so auffällig mit Früchten, sondern haben besonders wegen ihres interessanten Blattschmucks als Zierpflanze Bedeutung. Am bekanntesten ist der Kletternde Korkspindelstrauch (Euonymus fortunei), eine sehr vielgestaltige Art, die ihre Heimat in China, Japan und Korea hat. Dort klettert sie mit ihren Haftwurzeln an Baumstämmen empor oder bedeckt mit ihren niederliegenden bis aufstrebenden Ästen den Boden. Gerade von dieser Art gibt es eine Vielzahl von Sorten mit unterschiedlichen Wuchseigenschaften, aber auch mit unterschiedlichen Blattformen und -farben. Die Palette reicht von Sorten mit grünen, gelbgrünen oder weißgrünen Blättern, die sowohl als Kletterpflanze als auch als Bodendecker verwendet werden; auch schwachwüchsige Sorten sind vertreten, die sich bestens für Pflanzgefäße oder im Steingarten verwenden lassen.

Die immergrüne Wildart stammt aus West- und Mittelchina, Japan und Korea. Infolge der Variabilität der Art konnten zahlreiche Sorten ausgelesen werden, von denen einige zum Standardsortiment von Baumschulen und Gartencentern gehören. Für den Hobbygärtner sind neben einigen grünblättrigen vor allem die gelbgrünen und weißgrünen Sorten interessant, da sie besonders an schattigen oder halbschattigen Plätzen für Farbe sorgen.

Wenn Gartenflächen im Bereich von Gehölzen schnell mit Pflanzen bedeckt werden sollen, dann bietet sich von den grünlaubigen Sorten vor allem die schnell dichte Polster bildende ,Dart's Blanked‘ an. Da sie wenig anfällig gegen Fröste ist, sind Blattschäden kaum zu verzeichnen. Nach einem Rückschnitt treibt sie rasch wieder aus. Ein zusätzlicher Schmuckwert ist die attraktive purpurrote Färbung der Blätter im Winter.

Von den gelblaubigen Sorten gehört ,Emerald'n Gold‘ zum Standardsortiment der Gartencenter und ist die bekannteste panaschierte Sorte von Euonymus fortunei. Obwohl sie nur mittelstark wächst, ist die bodendeckende Wirkung gut. Die Blätter färben sich im Winter intensiv rötlich. Noch besser eignet sich die Sorte ,Sunspot‘. Sie wächst stark breitbuschig bis aufrecht und bildet mit ihren zahlreichen Langtrieben eine dichte Bodendecke. Das dekorative gelbgrüne Blatt ist längs der mittleren Hauptader gelb gefärbt. Diese Zweifarbigkeit bleibt auch im Winter erhalten. Wer eine Sorte mit weißgrünen Blättern als Bodendecker bevorzugt, wählt am besten ,Silver Queen‘. Besonders wirkungsvoll ist der schmale weißliche bis cremefarbene Blattrand, wodurch die Sorte äußerst dekorativ ist. Im Winter nehmen die Blätter eine rötliche Färbung an.

Starkwüchsige Formen eignen sich besonders gut als Kletterpflanze. Sie wachsen bis zu zwei Meter an Wänden, Mauern oder Bäumen empor und halten sich mit ihren Haftwurzeln fest. Von den grünlaubigen Züchtungen ist ,Emerald Leader‘ eine empfehlenswerte Sorte. Interessant ist auch der kleinblättrige Euonymus fortunei var. radicans.

Unter den gelbgrünen Sorten empfiehlt sich neben der schon erwähnten ,Emerald'n Gold‘ mit gelben, dunkelgrün marmorierten Blättern auch die Sorte ,Sunshine‘. Durch ihren dichten Wuchs und die zahlreichen Langtriebe ist sie vielseitig verwendbar. Sie eignet sich als Bodendecker genauso wie als Kletterpflanze und hat durch ihre grünen Blätter mit dem breiten goldgelben Rand einen besonderen Zierwert. Erhalten die Blätter zu wenig Licht, verfärben sie sich allerdings hellgrün.

Andere schöne gelbbunte Sorten sind ,Gold Tip‘ mit sehr großen Blättern und ,Sheridan Gold‘ mit gelb gefleckten Blättern.

Von den Sorten mit weißbunten Blättern wird die als Bodendecker empfohlene Sorte ,Silver Queen‘ häufig auch als Kletterpflanze verwendet. Sie erreicht etwa zwei Meter Höhe und ist sehr robust. Die grünen Blätter haben einen weißlichen bis cremefarbenen Blattrand und sind daher sehr wirkungsvoll.

Alle Formen bevorzugen einen halbschattigen bis schattigen Standort, wachsen aber auch in sonnigen Lagen. Voraussetzung dafür ist eine gute Wasserversorgung des Bodens. Sie gedeihen am besten auf mäßig trockenen bis frischen, nährstoffreichen Böden mit einem schwach sauren bis alkalischen pH-Wert. Schwere Ton- oder leichte Sandböden sind nicht günstig.

Ein Rückschnitt ist bei allen Sorten möglich. Vor allem bei stark wachsenden Exemplaren empfiehlt sich ein Schnitt, um die Ausbreitung zu begrenzen. Manche Sorten wie zum Beispiel ,Sheridan Gold‘ oder ,Sunshine‘ treiben nach dem Schnitt besonders kräftig aus. Da auf dem Boden liegende Triebe leicht Wurzeln bilden, lassen sich die Spindelsträucher auf diese Weise vermehren.

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