Zeitung Heute : Böger will Schülern historische Orte näher bringen

Thorsten Wiese

Zwei Lehrer sollen Unterricht in Stasi-Gedenkstätte vorbereiten

Zwei Lehrer sollen vom kommenden Schuljahr an in der Gedenkstätte im ehemaligen Untersuchungsgefängnis des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit in Hohenschönhausen arbeiten, um Schulunterricht und politische Bildung besser zu verzahnen. Damit reagierte Bildungssenator Klaus Böger (SPD) auf Vorwürfe, die Erinnerungskultur an Schulen in Ost und West nicht ausreichend zu fördern. Die Lehrer, die die Hälfte ihrer Arbeitszeit in der Gedenkstätte verbringen sollen, die andere Hälfte weiter an ihrer Schule unterrichten, sollen zusätzliches Lernmaterial entwickeln. Außerdem werden sie in den Schulen Seminare mit praktischem Bezug zu historischen Themen abhalten, um das Gedenken an das frühere Stasi-Gefängnis zu fördern. Die Stellen werden nicht neu geschaffen, sondern von Schulen in Pankow und Tempelhof abgezogen. Einen Teil der Finanzierung hat der Bund übernommen.

Böger bewarb das neue Konzept beim „Berliner Forum zur zeitgeschichtlichen Bildung“ in der Stasi-Gedenkstätte. Der Schulsenator und Kultursenator Thomas Flierl (PDS) stellten sich den Fragen von Stasi-Opferverbänden, die erfahren wollten, wie die Politik die Gedenkstätte als Lernort fördert. Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Tagesspiegel-Herausgeber Hermann Rudolph.

Böger bekannte sich zur Förderung des Lernens an historischen Schauplätzen. Gedenkstätten seien für die politische Bildung unverzichtbar, und Berlin besitze in dieser Hinsicht große Vorzüge. „Es gibt keinen anderen Ort in Deutschland, an dem man die jüngere Geschichte besser anhand von Zeitzeugen studieren kann“, sagte Böger. Nicht nur der Kopf spiele beim Lernen eine Rolle. Erst die Wahrnehmung über Sinne und Gefühle bringe Erfahrungen. Ein Tag an einem historischen Schauplatz nutze oft „mehr als fünf Vorträge“, so Böger. Er appellierte an die Lehrkräfte an den Schulen, Fahrten in die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen, das Haus der Wannsee-Konferenz und das ehemalige Stasi-Gefängnis fest im Lehrplan zu verankern. Flierl beklagte, dass die Möglichkeiten der Aufarbeitung zu gering seien für „das, was in Berlin alles vorhanden ist“. So gebe es an den Hochschulen Defizite in der zeitgeschichtlichen Forschung. Um einer „Ermüdung in der Aufarbeitung“, die ein Diskussionsteilnehmer feststellte, schnell entgegenzuwirken, seien die Mittel aber zu knapp, so die Politiker. Der Direktor der Stasi-Gedenkstätte, Hubertus Knabe, hatte zu Beginn des Forums eine lebensnahe Vermittlung der DDR-Geschichte gefordert. Die Bedeutung von Grundbegriffen wie „Stasi“ oder „SED“ sei bei vielen Schülern heute unbekannt.

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