Zeitung Heute : Börsenfeeling für Schnäppchenjäger

Klaus Angermann

Die Deutschen haben längst das Internet entdeckt, wenn es darum geht, Schnäppchen zu machen. Von der Munddusche über das neueste WAP-Handy bis hin zur Trauminsel bietet das Internet beinahe alles, was das Herz begehrt. Ein großer Nachteil bleibt jedoch bei solchen Auktionen: Immer wird nur ein Anbieter glücklich, die Mitbieter gehen hingegen leer aus. Zudem sind die Preise durch unsinniges Überbieten nicht immer ein echter Preisschlager. Dieses Manko soll nun ein neuer Dienst wett machen, der sich als Produktbörse bezeichnet.

Seit gestern ist der neuartige Online-Dienst namens oder8.com unter der Adresse www.order8.com offiziell am Netz. Hinter order8 steht die Berliner Cnited AG (cnited steht für commerce united) mit den E-Commerce-Experten Dirk de Pol, Sebastian de Biere und Gudrun Kaltwasser. Cnited analysiert Internet-Trends und möchte innovative E-Business-Lösungen anbieten. Order8 ist ihr erstes großes Projekt.

Der E-Business-Dienst von Cnited will als erste Prodktbörse im Internet den freien Wettbewerb, wie er auch an den Wertpapierbörsen herrscht, auf den Handel mit Produkten anwenden. Einfacher ausgedrückt: Wer etwas kaufen möchte, gibt über order8 richtige Orders für bestimmte Produkte in Form verbindlicher Preisangebote ab. Potentielle Verkäufer können aufgrund der grafisch dargestellten Angebote wiederum ihre Preise kalkulieren; wer am besten kalkuliert, bekommt den Zuschlag.

Möchte jemand zum Beispiel einen digitalen Organizer wie den Palm V erstehen, der im Laden zwischen 660 und 750 Mark kostet, gibt er ein möglichst realistisches Angebot ab. Wenn sich nun zehn Interessenten gefunden haben, die zum Beispiel 670 Mark dafür zahlen möchten und ein Händler ausrechnet, dass er bei der georderten Stückzahl durchaus etwas verdient, kann er bei order8 zehn Stück für diesen Preis offerieren und erhält gegebenenfalls den Zuschlag. In seinem Angebot müssen allerdings alle Nebenkosten wie Versandkosten mit eingeplant werden, plus zusätzlich zwei Prozent des Verkaufspreises, schließlich wollen die Mitarbeiter von Cnited ja ihren angestrebten Umsatz von 1,4 Millionen Mark in diesem Jahr erreichen.

Wo liegt also der Vorteil von order8? "Bei uns treffen sich Angebot und Nachfrage zeitnah", verrät Dirk de Pol. "So haben wir eine echte dynamische Preisbildung, die von Käufern und Verkäufern gestaltet wird." Der Vorteil gegenüber Co-Shopping wie etwa bei letsbuyit.com ist eben diese Dynamik: So kann das Wunschgerät durchaus noch billiger als der abgegebene Preis werden, wenn genügend Mitbieter weniger zahlen wollen und sich ein Händler darauf einläßt. Aber auch Händler profitieren bei diesem Spiel von Angebot und Nachfrage. Denn bei geringen Stückzahlen und einer großen Nachfrage können sich die Preise auch nach oben entwickeln.

Die Betaphase läuft noch bis zum 15. Mai, obwohl schon Angebote eingebracht werden können. Die Macher von Cnited hoffen, unzufriedene Kunden von Online-Auktionen oder ähnlichen Diensten mit ihrem Börsenfeeling zu locken. "Bei uns findet der Kunde mit den optischen Preischarts eine transparente Preisbildung und hat anders als bei Auktionen größere Chancen, zu einer ganzen Gruppe von Gewinnern zu gehören", so de Pol.

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