Zeitung Heute : Böse Bescherung für den Verkehr

Behinderungen auf Flughäfen und Straßen bis zu den Weihnachtstagen / Bahn meldet leichte Entspannung

Berlin - Im vorweihnachtlichen Reiseverkehr müssen sich viele Passagiere weiter in Geduld üben. Auf den Flughäfen bot sich am Montag ein uneinheitliches Bild. Während sich die Lage vielerorts etwas entspannte, mussten in Tegel und Schönefeld mehr als 130 Flüge abgesagt werden. Aufgrund der Probleme an den Drehkreuzen in Frankfurt, London und Paris könne es bis zu den Festtagen zu Verspätungen und Flugstreichungen kommen, sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel. Passagiere würden deshalb gebeten, sich frühzeitig mit der Airline oder dem Reiseveranstalter in Verbindung zu setzen. Auf anderen Flughäfen in Europa verbesserte sich die Lage etwas. In Frankfurt wurden 376 Flüge gestrichen, am Sonntag waren es 600 gewesen. Der am Wochenende geschlossene Flughafen London Heathrow nahm am Montag den Betrieb wieder auf.

Die Lufthansa rechnet ab Mittwoch wieder mit einem normalen Flugbetrieb in Frankfurt. Am Dienstag werde sie schrittweise zusätzliche Flüge anbieten, sagte eine Firmensprecherin. „Wir gehen davon aus, dass am Dienstagabend ein weitestgehend normales Programm geflogen werden kann.“ Ab Mittwoch werde dann womöglich wieder der übliche Flugplan gelten. Andere deutsche Flughäfen meldeten am Montag Fortschritte. „Es ist hier recht entspannt“, sagte eine Sprecherin des Flughafens Düsseldorf. Es sehe so aus, als werde sich die Lage normalisieren.

Angesichts der Lage auf einigen deutschen Flughäfen hat sich Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer für eine teilweise Aufhebung des Nachtflugverbots ausgesprochen. „Ich bitte die Länder, in der aktuellen Lage situationsbezogen Ausnahmegenehmigungen von Nachtflugbeschränkungen zu erteilen“, sagte er der „Bild“-Zeitung. Hessen nahm diese Anregung bereits auf. Wenn Fluggesellschaften für Frankfurt Nachtflüge beantragten, würden diese genehmigt, sagte eine Ministeriumssprecherin.

Die Bahn meldete kleine Fortschritte. Zugausfälle habe es weniger gegeben, es gab aber nach wie vor Verspätungen. Der Ansturm auf die Bahn ging etwas zurück. Offenbar hatte der Aufruf, nur dringende Reisen anzutreten, Erfolg. Auch abschreckende Berichte dürften dazu beigetragen haben. Branchenexperten halten das Bahnchaos für vermeidbar. „Natürlich ließe sich auch bei dieser Witterung Zugverkehr nahezu störungsfrei betreiben“, sagt Maria Leenen, Geschäftsführerin der Beratungsfirma SCI Verkehr. „Dazu müsste man mehr Weichenheizungen einbauen, Schneefräsen anschaffen, mehr Personal zum Winterdienst abstellen, robustere Oberleitungen einbauen und sich eine Zugreserve von mehreren Dutzend ICE zulegen.“ Allerdings habe all das seinen Preis. „Die Frage ist, ob man das System deutlich teurer machen will, nur damit es auch an ein paar Wintertagen im Jahr perfekt funktioniert.“

Autofahrer brauchten auch am Montag starke Nerven. Viele Straßen waren spiegelglatt, liegen gebliebene Lastwagen blockierten Autobahnen. Auf dem gesamten Berliner Ring gab es Staus. In Nordrhein-Westfalen galt zeitweise erneut ein Fahrverbot für Lastwagen. Auch Brandenburg erwägt ein LKW-Fahrverbot nach dem Vorbild Nordrhein-Westfalens. Für Berlin bestehe dafür keine Notwendigkeit, sagte dagegen eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

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