Zeitung Heute : Böse, böse!

Konrad Lischka

Ihr wesentliches Ziel haben die Initiatoren der deutschen „Big Brother Awards“ erreicht: Aufmerksamkeit. 17 Presseveröffentlichungen im Umfeld der Verleihung am vergangenen Freitag zählen die Datenschutzaktivisten vom Verein Foebud auf – alles für das Ziel, „die Diskussion um Datenschutz zu fördern“. Doch in diesem Jahr scheint der Zweck unter den Mitteln zu leiden. Microsoft wurde mit dem Hauptpreis ausgezeichnet. Na klar: Microsoft ist böse. So beschrieb es Laudator Patrick Goltzsch: „Microsoft erhält den Preis für seine flächendeckende Einführung von Kontrolltechnologie zum vermeintlichen Schutz von Urheberrechten. Microsoft hat uns labile Betriebssysteme beschert und einem Überfluss an Viren den Boden bereitet.“ Das stimmt, ist aber nur Teil der Wahrheit. Microsofts Sicherheitsprobleme haben wenig mit Datenschutz, aber viel mit Vorurteilen zu tun. Natürlich weisen Microsoft-Produkte Sicherheitslücken auf. Doch das tun andere Softwarehersteller auch. Der Unternehmensschriftzug ist als Symbol eines bösen Machtwillens eingegangen. Doch Marktmacht wollen alle Unternehmen. Die spannenden Awards treten so in den Hintergrund: Drogentests bei Bayer, die andere Daten verschaffen können. Oder Maut-Eintreiben mittels satellitengestützter Erhebung der Bewegungsdaten von Autos. In diesem Jahr hat der „Big Brother Award“ viel Aufmerksamkeit gebunden – indem er Vorurteile bediente.

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