Zeitung Heute : Böse Jungs tanzen besser

ADMIRALSPALAST Mit „Rock the Ballet“ hat er die Tanzszene aufgemischt. Nun kommt Rasta Thomas mit neuen Choreografien nach Berlin zurück.

In seine erste Ballettklasse ist Rasta Thomas alles andere als freiwillig gegangen. Der 10-Jährige hatte sich beim Kampfsportunterricht daneben benommen. Sein Vater hat ihn daraufhin zur Kirov Academy, einer Ballettschule in Washington D.C. geschickt – als Bestrafung. Für einen Bruce-Lee-Fan, der die Geheimnisse des Kung Fu erforschen wollte, war das hart. Ballett war Mädchenkram. Nun musste er an der Stange stehen und Exercises machen. Über die ulkige Geschichte vom Beginn seiner Tänzerkarriere kann Rasta Thomas heute lachen. Und dass seine Eltern ihm einen Vornamen gaben, bei dem man an einen Bob-Marley-Verschnitt denkt, kommentiert er so: „Die beiden hatten damals offenbar eine gute Zeit!“

Im Rückblick sagt er: „Der Kampfsport hat mich für das Ballett vorbereitet.“ Denn dort hat er die Disziplin gelernt, ohne die es auch im Profitanz nicht geht. Doch Fleiß und Disziplin allein machen aus einem Eleven noch keinen guten Tänzer. Das Talent hatte er, bald erwachte auch die Leidenschaft fürs Tanzen. Michael Jackson ist daran schuld, als Rasta dessen Videos sah, wurde ihm schlagartig bewusst: Tanz kann verdammt cool sein. Später begann er auch die Bravour von Balletttänzern zu schätzen. Mikhail Baryshnikov, Bruce Lee und Michael Jackson sind seine großen Vorbilder. Diese Einflüsse sind auch der Show „Rock the Ballet“ anzumerken, die Rasta Thomas 2008 zusammen mit seiner Frau Adrienne Canterna kreiert hat. Das energiegeladene Popballett schlug sofort ein – mittlerweile haben es fast 500 000 Zuschauer gesehen.

Die virtuosen Sprünge und Drehungen des Balletts zu lauter Rockmusik zu tanzen – damit liebäugeln heute viele. „Aber wir waren die ersten“, betont Canterna beim Gespräch im Café Fritz. Die beiden sind nach der Premiere ihrer neuen Show in Hamburg für eine Stippvisite nach Berlin gekommen, ab 4. Februar heizen die „Bad Boys of Dance“ auch dem Berliner Publikum ein.

Flirtet Rasta Thomas mit dem Image des bad boy oder gilt er wirklich als Abweichler? „Während meiner ganzen Karriere habe ich mich wie ein Rebell gefühlt“, erzählt er. „Ich habe nie genau das gemacht, was meine Lehrer wollten. Ich führte ein Zigeunerleben als Gasttänzer. Man nannte mich den bad boy des Balletts.“ Der umschwärmte Rasta wollte sich ausprobieren und nicht immer nur Prinzenrollen tanzen. Er trat mit Debbie Harry und Aretha Franklin auf. Twyla Tharp engagierte ihn für ihr Musical „Movin' Out“ am Broadway. Mit Patrick Swayze drehte er den Film „One Last Dance“.

„Ich habe immer nach einer künstlerischen Heimat gesucht“, sagt Thomas. „Deswegen habe ich meine eigene Company gegründet.“ Mit dem elektrisierenden Stilmix aus Ballett, Jazz, Hip-Hop und Martial Arts will er ein jüngeres Publikum ansprechen. Leute, die nicht Tschaikowski hören, sondern U2 und Coldplay. Und er will eine Lanze für den Männertanz brechen. Die Jungs fegen in Jeans und T-Shirt über die Bühne, am Ende auch mal kurz mit nacktem Oberkörper, so dass man die Sixpacks bewundern kann. Ab und an werden sie aufgemischt von einer Ballerina. Welches Image wollten sie dem tanzenden Mann verpassen? „Er soll athletisch wirken, maskulin“, sagt Canterna. Aber er darf auch erotisch sein – auf dezente Weise. „Sex sells“, meint Rasta Thomas, „aber wir möchten nicht nur dafür bekannt sein.“

Nach Berlin kommen sie nun mit aktuellen Choreografien und einer neu formierten Company. Noch etwas ist anders: Rasta Thomas, das Zugpferd von „Rock the Ballet“ wird diesmal nicht selber auftreten. Hat er nicht Angst, dass die Zuschauer ihn vermissen? „Ich habe volles Vertrauen in die Tänzer“, sagt er. „Außerdem brauchte ich den Blick von außen; wenn ich selbst mittanze, bekomme ich nicht mit, wie es aussieht.“ Ein Grund ist wohl auch, dass er wegen einer Verletzung des Knöchels pausieren muss. Die Bad Boys plus Ballerina müssen es allein reißen. Adrienne Canterna findet jedenfalls: „Der Tanz ist der Star bei ,Rock the Ballet’.“ SANDRA LUZINA

Premiere 5.2., 20 Uhr

Weitere Vorstellungen 6.2 - 9.2., jeweils 20 Uhr, 10.2., 15 Uhr

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