Zeitung Heute : Böses Spiel

„GTA Vice City“ schrammt knapp am Index vorbei

Mia Raben

Für die einen genießt es Kultstatus, für die anderen ist es ein echtes Brutalo-Spiel. Gemeint ist „Grand Theft Auto – Vice City“, kurz GTA-VC, ein Gangsterspiel, das viele Spieler wegen der besonderen Fahreigenschaften der Autos mögen. Zusammen mit seinem Vorgänger GTA3 ist es in Deutschland gerade im Doppelpack für die X-Box erschienen – und wird massiv beworben.

Das ist nicht selbstverständlich. Nachdem GTA-VC wegen seiner „drastisch dargestellten spielerischen Tötungsvorgänge“ im März 2003 auf dem Index gelandet war, herrschte ein Werbeverbot und galt die Altersgrenze 18. Das Spiel könne auf Jugendliche „verrohend und damit sozial-ethisch desorientierend“ wirken, so die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften in ihrer Begründung.

Mit dieser Maßnahme reagierte die Behörde darauf, dass sich die deutsche von der Originalversion nur in der Verpackung unterschied. Per Sprachumstellung wurde die ungeschnittene, blutige Version freigegeben. War dieser Trick dem Hersteller zuzurechnen? Die Behörde meinte Ja. Daraufhin schob Take 2 Interactive eine entschärfte deutsche Version nach.

Nun sorgt das Spiel in den USA für Aufruhr, weil es „rassistisch und ein Aufruf zum Völkermord“ sei, wie ein Sprecher der haitianischen Regierung sagt. „Töte die Haitianer!“ lautet der Spielbefehl in einer Mission des Gangsterspiels, das im Miami der achtziger Jahre sein Setting hat.

Kubanische und haitianische Bürgerrechtler wollen nun im Bezirksgericht in Palm Beach County (Florida) gegen Giganten der Spieleindustrie, Microsoft und Sony Music, zu Felde ziehen. Sie fordern ein absolutes Verkaufsverbot und eine finanzielle Entschädigung. Dass der Entwickler des Spiels, Rockstar Games, auf Druck des New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg bereits zugesagt hat, den diskriminierenden Satz in zukünftigen Versionen wegzulassen, reicht den Klägern nicht.

Deutsche Experten verfolgen den Fall mit Interesse. „Das Spiel ist gewagt, weil es auf realistische Weise ethnische Minderheiten als Gangs darstellt“, sagt Gunnar Lott, Chefredakteur der Spielezeitschrift Gamepro. Lott weist allerdings darauf hin, dass auch viele Filme sich solcher Klischees bedienen, hier dagegen niemand auf die Idee komme zu klagen.

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