Zeitung Heute : Bohren ohne Blessuren

Heimwerker sollten die richtige Ausrüstung haben – und sich bei ihrem Vorhaben nicht unter Zeitdruck setzen

Thomas Voigt
Eher ungefährlich dürfte der Einsatz eines Akkubohrschraubers sein. Beim Sägen oder Schleifen sollte man dagegen an Ohr-, Augen- und Mundschutz denken. Foto: PA/gms
Eher ungefährlich dürfte der Einsatz eines Akkubohrschraubers sein. Beim Sägen oder Schleifen sollte man dagegen an Ohr-, Augen-...Foto: picture-alliance/ gms

Gute Planung, ordentliche Ausrüstung, hochwertiges Material und erfahrene Helfer: Auf dem Weg zum frisch renovierten Zuhause entscheiden diese vier Dinge über Glück oder Unglück des Heimwerkers – und ausreichend Zeit. Letztere haben allerdings die wenigsten. „Meistens soll es schnell gehen“, sagt Peter Nettersheim, Trainer bei der Do It Yourself (DIY) Academy in Köln. Wohnzimmer streichen, Fliesen verlegen oder die neue Küche aufbauen – möglichst an einem Abend. „Bei hektischer Arbeit passieren aber die meisten Unfälle“, warnt der Experte für Holz- und Wandarbeiten.

Beim Abschlagen alter Fliesen und beim Sägen sollten Heimwerker stets eine Schutzbrille tragen, damit keine Keramik- oder Holzsplitter in die Augen gelangen, rät Nettersheim. Bei den meisten Tätigkeiten mit Krafteinsatz seien auch Arbeitshandschuhe empfehlenswert – nicht aber an Handkreissäge oder Bohrmaschine. „Dann besteht die Gefahr, dass sich das Material im rotierenden Bohraufsatz oder im Sägeblatt verfängt“, erklärt der Profi. Bei anderen Tätigkeiten – etwa beim Schleifen – schützen Handschuhe hingegen vor Verletzungen durch Splitter oder Späne. „Haushaltshandschuhe sind allerdings ziemlich wirkungslos. Umfassenden Schutz bieten nur Arbeitshandschuhe“, betont Nettersheim.

Oft unterschätzt sei bei Sägearbeiten die Belastung für die Ohren. Einige Kreissägen entwickelten einen Lärmpegel von bis zu 100 Dezibel und schadeten dem Gehör mehr als ein Presslufthammer. Nettersheim empfiehlt, ab 85 Dezibel nur mit Gehörschutz zu arbeiten. Zur Orientierung beim Kauf von Ohrenschützern dient der auf der Verpackung angegebene SNR-Wert in Dezibel. Er beschreibt die allgemeine Schalldämmung. Je höher die H-, M- und L-Werte, desto besser die Dämmung im hohen, mittleren und tiefen Frequenzbereich. Für einen kurzen Gebrauch reichen meist Ohrstöpsel aus Silikon, Wachs, Schaum- oder Kunststoff. Wer häufiger mit lauten Werkzeugen hantiert, dem rät der Trainer zu Ohrenschalen, die vom Hörgeräteakustiker auch individuell angefertigt werden.

Winkelschleifer mit hoher Leistung zählen ebenfalls zu den lautstarken Geräten. Beim Entfernen von Rost am Balkongeländer verzichtet der erfahrene Heimwerker nach Nettersheims Worten daher nicht auf Gehörschutz und trägt außerdem zum Schutz vor herumfliegenden Metallspänen und Funken Handschuhe, Schutzbrille und Feinstaubmaske. Einweg-Atemschutzmasken bestehen aus Filtermaterial und sollten ein Ventil zum Ausatmen haben. Bei der Auswahl des richtigen Systems helfen die Qualitätsangaben auf der Verpackung. „Die Buchstaben ,FFP‘ bestimmen die Durchlässigkeit der Maske in den Klassen eins bis drei“, erklärt Nettersheim und empfiehlt für Schleifarbeiten an Holz und Metall FFP2, im Umgang mit Isolier- und Dämmwolle oder bei Schimmelpilzen FFP3.

Bei Arbeiten mit lösemittelhaltigen Farben und Lacken leisten Masken mit Aktivkohlefilter den besten Schutz. „Wer unsicher ist, sollte sich vom Fachpersonal im Baumarkt beraten lassen“, sagt der Experte und rät auch bei einfachen Sägearbeiten mit Sperrholz oder Spanplatten, Eichen- oder Buchenholz zum Einsatz einer Maske: „Feinstäube, die sich aus dem Leim freisetzen, und Bodenstoffe, die das Holz seinerzeit über die Baumwurzeln aufgenommen hat, sollten nicht in die Lunge geraten, weil sie sich dort dauerhaft festsetzen können.“ Um beim Einsatz der Stichsäge von vornherein weniger Staub zu verursachen und Splitter zu vermeiden, sollte man Sägeblätter wählen, die ausrissfrei schneiden. „Sie sind an ihren beiden unterschiedlichen Zahnungen zu erkennen.“

Auch ein Blick auf die sonstige Arbeitskleidung lohnt. „Sie sollte zwar bequem sein, aber möglichst eng anliegen und je nach Einsatz feuersicher sein“, sagt der DIY-Trainer. Schmuck und Uhren gehören auf die Ablage. Vor allem für weibliche Heimwerker könne außerdem die Haarpracht eine Gefahrenquelle sein: „Lange Haare können nicht nur die Sicht behindern, sondern in laufende Maschinen geraten und sich dort aufwickeln.“ Zopf ist daher Pflicht.

Um Unfällen vorzubeugen, sind außerdem genaue Kenntnisse und ein einwandfreier Zustand des Werkzeugs wichtig. „Elektro- und Schneidwerkzeuge müssen regelmäßig gewartet und überprüft werden, Werkstücke ordentlich fixiert sein, Leitern einen festen Stand haben“, mahnt Peter Nettersheim. Ergonomisch geformte Handwerkszeuge mit rutschfestem Griff tragen ebenfalls zum sicheren Arbeiten bei. Stemm- und Bohrhammer sowie Winkelschleifer sollten durch Gummimuffen vibrationsgedämmt sein. „Billiggeräte aus einem Guss können bei längerem Einsatz zu der sogenannten Weißfinger-Krankheit führen, bei der sich durch die permanente Vibration die Adern in den Fingern verschließen.“ Statt ein minderwertiges Elektrogerät billig zu kaufen, sei es besser, tageweise professionelle Ausrüstung zu mieten.

Bei einfachen Werkzeugen empfiehlt der Fachmann, vor dem Kauf zu testen, ob Einzelteile sicher befestigt sind. Das gilt etwa für einen Hammerkopf, der auf keinen Fall locker sitzen darf.(ddp)

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