BOMBAST-ROCKERMeat Loaf : Mit Pauken und Gitarren

Jörg W er

Bei Meat Loaf gibt’s nur das Entweder-oder: Entweder man liebt die monströse Sahnetorte und wirft sich seinem wagnerianischen Bombastrock samt majestätischem Falsettgesang selig stammelnd zu Füßen. Oder man kriegt bereits Pickel, wenn der Dicke auch nur Luft holt, um einen seiner markerschütternden Brunftschreie zum mit allen Instrumenten der Popgeschichte überorchestrierten Monsters-of-Rock- Sound auszustoßen. Wer sich für das Konzerterlebnis mit dem mittlerweile 60-Jährigen entscheidet, dürfte nicht enttäuscht werden – schließlich hat Meat Loaf selbst kurz vorm Eintritt ins Rentenalter noch einen Ruf als Schweißbäche verströmender Brachialperformer zu verteidigen.

Begonnen hat die Karriere von Marvin Lee Aday Anfang der Siebziger mit unentschlossenem Geeiere zwischen Broadway-Ambitionen und Motown-Rezeption, ehe er nach einem Zwischenspiel als „Eddie“ in der „Rocky Horror Picture Show“ mit Langzeit-Mentor Jim Steinman 1977 endlich sein Solo-Debütalbum als Meat Loaf fertigstellte: „Bat out of Hell“ einen Paukenschlag zu nennen, wäre nicht nur angesichts der nie zuvor gehörten instrumentalen Wucht eine Untertreibung. Noch mehr gilt dies in kommerzieller Hinsicht: „Bat out of Hell“ zählt mit fast 40 Millionen verkauften Exemplaren zu den erfolgreichsten Platten aller Zeiten und war fast zehn Jahre in den britischen Charts. Logisch, dass Meat Loaf nach etlichen eher gefloppten Alben 1993 und 2006 zwei in fiesen Frankensteinlaboren geklonte Fortsetzungen des Klassikers nachschob, mit denen die eierlegende Wollmilchsau noch ausgiebig gemolken werden konnte. That’s Showbiz!Jörg Wunder

Zitadelle Spandau, Mo 21.7.,

19 Uhr, 40 € + VVK BO808

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