Zeitung Heute : Bombay

Chili Chicken mit Soja und Ingwer

Elisabeth Binder

Bombay, Friedrichstraße 106 c, Berlin-Mitte, Telefon: 28 48 49 53, geöffnet täglich ab 11 Uhr.

Ein indischer Biergarten mitten in Berlin? In diesem neuen, verrückten Berlin, in dem alles möglich ist, nur dass man das als Einheimischer nicht so leicht erkennt wie als Zugereister oder als Tourist. Die schönen Kellner führten uns gleich an einen von Rattansesseln umgebenen Tisch unter den hohen Linden und brachten zwei süße, bonbonfarbene und etwas kandiert schmeckende Cocktails an, „aufs Haus“. Es war Prosecco mit Kirschbananensaft und quietschsüßer kandierter Kirsche. Dazu gab es noch einen Teller mit scharfen, knusprig-dünnen Fladenbroten.

Nachdem sie uns nun einmal mit dem Charme-Lasso eingefangen und mit der ersten Verwöhnattacke zum endgültigen Verweilen verführt hatten, ließen die Anstrengungen der Kellner deutlich nach. Obwohl es gar nicht sonderlich voll war, dauerte es geraume Zeit, bis die Vorspeisen kamen. Die waren dann allerdings nicht nur vom Preis-Leistungs-Verhältnis her wirklich gut. Die „Madras Rasam“, eine scharfe Linsensuppe nach südindischer Art, hellrot wie züngelnde Flammen und im kleinen Kupferkessel serviert, war ein auf weitere Küchenübungen wahrhaft scharfmachender Einstieg (3 Euro). Und was da unter der Nummer 12 so lakonisch als „Blumenkohl“ auf der Karte geführt wird, erwies sich ebenfalls als wirklich günstiges und fantasievolles Vorgericht. Die Blumenkohlröschen verbargen sich tief in einer geschickt gewürzten Panade und lagerten auf einem Spiegel von hellgrüner Kräutersauce und einer dunkelroten süß-scharf-fruchtigen Sauce. Dazu gab es bunten Salat (3 Euro).

Der pure Prosecco, zu dem wir inzwischen übergegangen waren, wurde zwar deutlich zu warm serviert, schmeckte aber wie frisch geöffnet, was in dieser Preiskategorie nicht unbedingt selbstverständlich ist. Es gibt offene italienische Weine von durchschnittlicher Qualität und Flaschen aus Indien, Chile, Südafrika und Australien. Der hellrote chilenische Merlot war für seine Herkunft erstaunlich leicht, was ihn aber als Begleiter für ein scharfes Essen erst recht qualifizierte (19,60 Euro).

Zum Hauptgang gab es eine große Schüssel Reis, die wir uns teilen konnten. Exzellent war der „Paneer Tikka“ aus dem Tandoori, ein hausgemachter indischer Rahmkäse, vorab in Joghurt mariniert und mit geheimnisvollen Kräutern so lange gegrillt, bis er die rote Farbe eines feurigen Herzens und die Konsistenz eines besonders zarten Hühnchens erlangt hat. Dazu gab es bissfeste Paprika- und Zwiebel-Stücke. Das wurde auch sehr hübsch serviert auf kunsthandwerklichem indischen Geschirr (11,50 Euro).

Auch das „Chili Chicken“ war gut. Scharfe Hühnerfiletstücke in einer wirklich satten, gelungenen, süß-scharfen Sojasauce mit Ingwer-Reminiszenzen. Darunter war reichlich knapp gegartes Gemüse gemischt, Tomatenviertel, Paprika und Zwiebeln (10,50 Euro). Das alles war so gelungen, dass wir die Schalen fast ganz geleert haben.

Allerdings dauerte es dann doch schon geraume Zeit, bis wir endlich von ihnen erlöst wurden. Erst nach mehrmaligem auffälligen Winken bequemte sich einer der inzwischen superlässigen Kellner ohne jeglichen Ausdruck von Bedauern heran und begann unter fröhlichem Small Talk, den Tisch langsam leer zu räumen. Nicht auszudenken, was passiert, wenn der Laden mal voll ist, es gibt ja nicht nur den großen Biergarten, sondern innen auch noch mal zwei Stockwerke, in denen man größere Gruppen unterbringen kann. Weil es aber so ein schöner Abend war, ließen wir uns noch auf ein Dessert ein. Das präsentierte sich wie eine indische Antwort aufs Birchermüsli. Dicke Obststücke, überwiegend Mango, eingerührt in eine Joghurt-Honigsauce: ein gutes Schönwetter-Dessert und preiswert dazu (3,80 Euro).

Doch, es hat sich gelohnt, dem spontanen Impuls nachzugeben. Der unmittelbar benachbarte Friedrichstadtpalast wird sicher Gäste liefern, die ein exotisches Mahl zu schätzen wissen. Damit sie es nicht statt der Show genießen müssen, sollte der Service aber deutlich an Tempo zulegen.

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