Zeitung Heute : Bordtelefone für den Airbus

Flugzeuge, Triebwerke, Ausstattung: Die Luftfahrtindustrie der Region befindet sich im Aufwind

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Von Rainer W. During „Wir sind keine Kellerkinder, wir sind mittendrin“, sagt Wolf Schöde, Geschäftsführer der Berlin Brandenburg Aerospace Alliance (BBAA). Die Luft- und Raumfahrtindustrie im Osten Deutschlands gewinnt als Kompetenzzentrum neben München und Hamburg an Bedeutung. Selbst im neuen Mega-Airbus A380, der im Mai auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA präsentiert wird, sind Teile aus der Berliner Region enthalten.

Besonders im Bereich der Triebwerke entwickelt sich die Gegend um Berlin zunehmend zum Spezialisten. Bei Rolls Royce Deutschland in Dahlewitz startet im Mai zusätzlich die Montage des Airbus-Antriebs V2500. Damit wird die Fertigungsrate von 217 Triebwerken im Vorjahr auf mehr als 350 erhöht. 100 Jobs entstehen.

Auch Wettbewerber MTU Aero Engines im nahen Ludwigsfelde ist im Aufwind. Gerade wurde der Wartungsbetrieb auch für die neuesten Baureihen des Business- und Regionaljet-Triebwerks CF34 von General Electric erweitert. Eine entscheidende Wende wird das neue TP400-Turboproptriebwerk für den Militärtransporter Airbus A400M bringen, dessen Endmontage in Ludwigsfelde erfolgen wird. Knapp zwölf Millionen Euro hat das Unternehmen in die Infrastruktur investiert und unter anderem den größten Wellenleistungsprüfstand der westlichen Welt gebaut. Die erste Testlaufreihe des TP400 wurde hier bereits erfolgreich abgeschlossen. Ende 2007 beginnt hier die Serienproduktion.

265 Beschäftigte zählt die Flugzeugwerft der Lufthansa-Technik im Südteil des Flughafens Schönefeld. Hier hat sich ein international renommiertes Wartungszentrum für die Flugzeugfamilien Airbus A320 und Boeing 737 etabliert. Ein weiteres Geschäftsfeld ist die Überholung von Jets vor der Übergabe an neue Leasingnehmer.

„Wir sind heftig am Wachsen und suchen händeringend Mitarbeiter“, sagt gleich nebenan Andreas Kaden. Er ist Geschäftsführer des Joint-Ventures Lufthansa Bombardier Aviation Services (LBAS). Sieben Posten, vom Avioniker bis zum Fluggerätemechaniker sollen demnächst besetzt werden. LBAS wartet und repariert sämtliche Geschäftsreisejets der Marken Bombardier und Learjet.

Auch die kleinen und mittelständischen Betriebe profitieren vom Branchenaufschwung. Ein Beispiel ist die GEVA Gesellschaft für Entwicklung und Versuch Adlershof GmbH, eine Rolls Royce-Ausgliederung zur Erprobung von Triebwerkskomponenten.

Gleich mehrere Firmen sind am größten Verkehrsflugzeug der Welt, dem A380, beteiligt. So ist Airbus etwa im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ebenso Stammkunde wie Konkurrent Boeing. Für den neuen Megajet bauen die hier ansässigen Elektroakustik-Spezialisten Holmberg GmbH & Co KG die bis zu 35 Bordtelefone und die Bedieneinheiten für die Türen samt Notrutschen. Beim Sanitär-Experten Aqua Butzke-Werke AG in Ludwigsfelde entstehen die Armaturen für die Bordtoiletten.

Auch Flugzeuge werden in der Region gebaut, und dass mit Erfolg. Die rund 40 Mitarbeiter der am Flugplatz Strausberg (Landkreis Märkisch-Oderland) ansässigen Stemme GmbH & Co KG produzieren den Motorsegler S10. Auf der ILA wird neben der zur Forschungsplattform weiterentwickelten S10-VTX erstmals auch der Prototyp des Motorseglers S6-T vorgestellt. Er bildet den Grundstein für eine neue, aus drei Modellen bestehende Flugzeugfamilie. Damit will Stemme zukünftig seinen Absatz in Europa und den USA auf mehr als 100 Flugzeuge pro Jahr steigern.

Auch mit der Aquila Technische Entwicklungen GmbH am Flugplatz Schönhagen (Landkreis Teltow-Fläming) geht es wieder bergauf. Ende 2004 stand das Unternehmen finanziell schlecht da. Schnell gelang dem Insolvenzverwalter die erfolgreiche Sanierung des Betriebes. Bereits nach wenigen Monaten konnte die Fertigung des einmotorigen Kleinflugzeugs Aquila A 210 wieder aufgenommen werden. Rund 50 Exemplare des Zweisitzers wurden bereits ausgeliefert.

Rund 30 kleine und mittelständische Firmen beteiligen sich an Gemeinschaftsständen der BBAA auf der Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung ILA. Die Initiative Triebwerkstechnik hilft, Kleinfirmen als Partner der großen Hersteller zu qualifizieren. Das gemeinsam mit Partnern gegründete Galileo-Anwenderzentrum fördert die Entwicklung von Einsatzmöglichkeiten des künftigen, europäischen Satellitennavigationssystems.

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