Bosnische Flüchtlinge : Hin und her gerissen

Abends weint sie manchmal. Weil Mutter und Schwester in Berlin sind und sie mit dem Vater abgeschoben wurde. Darf sie je zurück?

Ariane Bemmer[Tuzla]

Der Tag, an dem Deutschland sie rausgeschmissen hat, war ein Mittwoch, das wird sie nicht vergessen, es war am 11. August. Nein!, schreit sie nachts, sie hat Albträume, auch heute noch, vier Monate später. Die 17-Jährige schläft bei ihrer Oma im Bett.

Als Sanja Ristic, den weißen Cordmantel eng zugezogen, an diesem Wintermorgen die Tür öffnet, sieht sie kaum die Häuser auf der anderen Seite des Weges. Es ist, als trete sie aus dem Haus der Großeltern hinein in eine Wolke. Ihre langen Haare hat sie auf dem Kopf zusammengebunden, sie wirkt älter so und viel zu ernst. Sie geht nach links, den Hang hinauf durch den Wald zu den Wiesen.

Der Nebel, der sich über dem Tal ausgebreitet hat, verschluckt alles Licht, die Autos haben den ganzen Tag Scheinwerfer an, und in den Häusern würde Licht brennen, aber der Strom geht gerade nicht, hier im Dorf Bukinje am südlichen Rand von Tuzla. Der Nebel sei typisch für die Gegend, sagen die Leute. Er lässt von der Welt nur Schemen übrig, was weiter weg ist, verschwindet, das Nahe bleibt.

Das Nahe für Sanja Ristic ist Tuzla, weit weg ist Berlin, und sie hat Angst, dass das so bleibt. „Berlin ist meine Heimat“, sagt sie. Und in Berlin ist ihre Mutter.

Es sind nur ein paar Schritte, dann mündet der Asphalt in zwei Feldwege. Unter den Bäumen liegen kaputte Fernseher und ein Computer. Nicht weit weg davon stapeln sich am Abhang Autowracks. „Das ist keine Bevölkerung hier“, sagt Sanja Ristic. Nur einzelne Personen ohne Bezug. „Die kümmern sich nicht.“ Sie isst eine Mandarine, die Schale packt sie in ihre Manteltasche, dabei könnte sie die genauso gut zu dem anderen Müll in den Wald werfen. Auffallen würde das nicht.

Als kleines Kind hat sie schon mal in der Gegend gelebt, im Nordosten Bosniens, in Zivinice, 15 Autominuten von Tuzla entfernt, zusammen mit ihren Eltern und der kleinen Schwester. Vor dem Krieg sei es ein schönes Leben gewesen, sagt Sanja. Aber das ist lange her, und dann ist sie neun Jahre weggewesen.

Neun Jahre haben Sanja und ihre Familie in Berlin gelebt. Als Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien waren sie geduldet, was nicht mehr bedeutet, als dass die Abschiebung Jahr um Jahr, Monat um Monat verschoben wurde. Damit war im August Schluss. Nach dem Willen der Berliner Ausländerbehörde sollten sie Deutschland verlassen, und zwar sofort, aber sie wollten nicht. Sie haben sich hier, und das kann man eine Leistung nennen, trotz der Unsicherheit längst eingerichtet. Dass Ausländer jahrelang ohne ordentlichen Aufenthaltsstatus bleiben, soll es ab 2005 nicht mehr geben. Dann gilt das neue Zuwanderungsgesetz, nach dem Ausländer in Deutschland leben können, wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen, wenn sie etwa qualifiziert sind – und die Ristic- Töchter haben als gute Schülerinnen ja schon bewiesen, dass sie Potenzial haben. Außerdem bekommen Härtefallkommissionen mehr Einfluss, um sich machtvoller einzusetzen – beispielsweise für ausreisepflichtige Familien, deren Kinder hier groß geworden sind. Aber noch gelten die alten Regeln, und nach denen war es möglich, dass die Ausländerbehörde die Familie, die als Ganzes nicht gehen wollte, in Teilen außer Landes schaffte: Mutter Milica und die jüngere Tochter Tanja sind noch in Berlin, Vater Zoran und Sanja wurden abgeschoben.

Eine Stunde lang spaziert Sanja über die Wiesen, die Hände in den Manteltaschen. Es ist die einzige Zeit am Tag, in der sie keine Rücksicht nehmen muss auf den Vater, die Großeltern. Sie wolle die drei mit ihrer Verzweiflung nicht andauernd belasten, sagt sie. Mit den immer gleichen Fragen, die beim Aufwachen schon da sind: Wie soll es weitergehen, wann dürfen wir wieder nach Berlin, wieso mussten wir ausreisen und andere Ausländer können bleiben? Sogar welche, die kriminell sind? Als sie zurückkommt, steht ihre Großmutter schon am Gartenzaun. Márija wartet sorgenvoll. Eine Stunde allein da draußen, in dieser Gegend, wo doch nichts mehr sicher ist.

Seit dem Krieg ist es in Bosnien wichtig, was man ist: Moslem, Serbe, Kroate, aber man fragt nicht direkt danach. Man fragt eher, wo jemand herkommt, denn oft leben die Gruppen voneinander getrennt. Um Racheakte zu verhindern, hat man die Autokennzeichen so verändert, dass man nicht sehen kann, woher der Fahrer ist. In Zivinice, wo Sanjas Familie früher lebte, wohnen heute überwiegend Moslems, eine große Moschee steht im Zentrum. Während des Krieges haben sich moslemische Frauen und Kinder in einer Turnhalle vor der serbischen Miliz verkrochen. Sanjas Vater ist Serbe. Er lässt sich in Zivinice nicht mehr blicken, dabei war er gar nicht in der Armee, was ihm wiederum Serben vorhalten. Auch seine Eltern.

Die Nacht vor der Abschiebung hat die Familie im Gefängnis in Berlin-Köpenick verbracht. Sie waren auf nichts vorbereitet gewesen. Der Termin in der Ausländerbehörde am 10. August um 10 Uhr morgens war abgesprochen, sie rechneten wie immer mit der Verlängerung der Duldung, aber da wartete nur die Polizei. Die Eltern und Sanja, damals noch 16 Jahre alt, wurden in eine Zelle gesteckt, danach haben zwei Beamte die 13-jährige Tanja aus der Schule geholt.

Am Nachmittag kamen die Anwälte nach Köpenick und stellten für Tanja einen Asylantrag. Sie durfte früh am nächsten Morgen raus, mit ihr die Mutter als Aufsichtsperson. Für Sanja und Zoran Ristic haben die Anwälte kein Asyl beantragt, sie sagen, die beiden wären im Gefängnis geblieben, bis die Behörden über den Antrag entschieden hätten. Die Schule der beiden Kinder protestierte gegen die Abschiebung und gegen die Teilung der Familie, die Mitschüler malten Plakate, gemeinsam zogen sie in einer spontanen Demonstration zum Bezirksrathaus. Für dieses Engagement hat die Schule später sogar einen Preis bekommen.

Die Großmutter eilt zurück ins Haus. Küche und Wohnzimmer sind ein Raum, es ist warm, im Kohleofen knistert Holz. Auf den Sofas liegen Wolldecken mit Pony- und Waldmotiven, in den Ecken stehen Samtkissen mit Goldbordüre, hinten ist eine Schrankwand mit Fernseher. Hier sitzen sie fast den ganzen Tag, der Rest des Hauses ist ausgekühlt, eine Heizung gibt es nicht. Márija hat einen Gaskocher auf den Elektroherd gestellt, um Kaffee zu machen.

Freunde brachten für Sanja und den Vater einen Koffer mit dem Nötigsten zum Flughafen. Dann hob die Maschine ab. Es war Sanjas erster Flug.

Auch für Márija ist am 11. August eine Welt zusammengebrochen. Sanja und Zoran, ihr Schwiegersohn, plötzlich wieder zurück. Warum denn nur? Hier gibt es doch nichts, sagt sie. Da, wo sie wohnt, in Bukinje, laufen Hühner über die Straßen, die Häuser sind klein, in vielen wohnen nur noch alte Menschen, die jungen sind weg. Wäsche hängt draußen, obwohl es kalt ist und die Luft nass. Über die offene Motorhaube eines Ford Fiesta beugen sich vier Männer. Wenn man an ihnen vorbei geht, gucken sie hoch und niemand sagt etwas.

Man hört nicht viel Gutes über Bosnien: Ein deutscher Polizist in Sarajevo sagt, dass zwar viel Geld ins Land gepumpt werde, dass aber bei den einfachen Leuten nichts ankomme. Ein Taxifahrer zeigt auf zerschossene Häuser und sagt, hier passiere einfach nichts. Eine 22-Jährige, die in New York studiert und gerade ihre Eltern besucht, sagt, dass sie nie mehr hier leben wolle.

Im Krieg, der von 1992 bis 1995 ging, starben nach neuesten Schätzungen bis zu 150000 Menschen, 70 Prozent davon Moslems, 16600 Personen werden laut Rotem Kreuz noch vermisst. Als das Dayton-Friedensabkommen im Dezember 1995 in Paris unterzeichnet wurde, waren 1,7 Millionen Menschen geflohen, innerhalb des Landes oder ins Ausland, etwa 350000 kamen nach Deutschland. In Berlin sind heute noch rund 2200.

Den Nachbarn in Bukinje haben sie die Abschiebung verschwiegen. Die sollen glauben, die beiden seien zu Besuch da. „Die denken sonst, Sanja und Zoran sind kriminell geworden“, sagt Márija. Sie spricht deutsch. Sie hat von 1972 bis 1981 in einem Brauhaus bei Stuttgart gearbeitet, die lustigste Zeit ihres Lebens. „Weischt“, sagt sie. Ohne die Oma würde Sanja es nicht aushalten. Es ist ein Glück, dass die beiden sich verstehen, sie haben sich seit neun Jahren nicht gesehen.

Es war im August 1995, als Milica und ihre Töchter mit einem UN-Transport nach Berlin kamen, acht Monate später folgte der Vater. Am 15. Mai waren auf dem Marktplatz in Tuzla Granaten detoniert, viele Menschen wurden verletzt, zerfetzt, getötet. Die siebenjährige Sanja und die Mutter waren da, sie haben es gesehen. Heute steht ein Gedenkstein an der Stelle. Der Transport war eine humanitäre Aktion. Sie waren Bürgerkriegsflüchtlinge, sie wurden zu Psychologen geschickt, die ihnen schwere traumatische Störungen attestierten. Milica Ristic schluckt seitdem Antidepressiva und macht Therapien, um den Wahnsinn klein zu halten in ihrem Kopf.

Für Sanja war es anfangs vielleicht am schwersten in Berlin. Sie musste gleich zur Schule, wo sie so lange allein blieb, bis sie die Sprache konnte. Sie hat sich dann durchgebissen und hochgekämpft, Ehrgeiz entwickelt. Zum Schluss hat man ihr sogar eine Genehmigung für eine Berufsausbildung erteilt und gerade im August hat sie an der Fachschule für Sozialwesen angefangen. „Ich habe das alles alleine gemacht“, sagt sie. Und das soll nun umsonst gewesen sein? Das soll vorbei sein?

In dem Flugzeug nach Sarajevo saßen außer Sanja und Zoran Ristic noch andere, die man ausgewiesen hatte, alle in Begleitung von Polizisten, damit beim Zwischenstopp in Budapest keiner aussteigt. In ihren Pässen steht: „Die Wirkung der Abschiebung ist nicht befristet.“ Es gibt einen Stempel für so was und es bedeutet lebenslanges Einreiseverbot für fast alle EU-Staaten. Die Anwälte streiten dafür, dass die Sperre befristet wird. „Bis bald in Berlin“, haben die Abgeschobenen sich am Flughafen in Sarajevo voneinander verabschiedet.

Die ersten Monate in Bosnien hat Sanja viel geweint, vor allem, wenn die Mutter anrief oder sie die Stimme ihrer Schwester hörte. Dass sie sich umbringen wird, hat sie immer wieder gesagt.

An ihren optimistischen Tagen tut sie inzwischen so, als wäre dies hier nur ein langer und langweiliger Besuch bei den Großeltern. Die Foto- und Briefemappe, die ihr die Schule geschickt hat, kann sie trotzdem nicht angucken. Sanja sitzt im Schneidersitz auf dem Wohnzimmersofa und blättert den blauen Ordner mit den vielen Folien schnell durch. Sie macht ihren Zopf auf und wieder zu, wie Dutzende Male jeden Tag. Sie gibt die Mappe ihrem Vater, der auch nur kurz reinguckt und sie über den marmorierten Tisch zurückschiebt. Da liegt sie dann. Der Vater malt mit einem Zahnstocher die Linien des Tischmusters nach. Kreise und Kurven, mal links rum, mal rechts rum, manche hören einfach auf, dann setzt er den Zahnstocher woanders wieder an. Er trägt Cargohosen mit vielen Taschen und einen dunklen Pullover. Er ist ein großer, sportlicher Mann. In Berlin hat er immer sonntags Fußball gespielt und manchmal mit Freunden geangelt. Seinen Fischereischein hat er im Portemonnaie, für 2004 ist bezahlt.

„Vielleicht kann ich das erst lesen, wenn ich wieder zurück bin“, sagt Sanja, dann geht sie aus dem Zimmer. Der Großvater raucht. Schwaden ziehen durch den Raum. Es ist still. Gäbe es Strom, würde der Fernseher laufen und vielleicht eine Show wie „Deutschland sucht den Superstar“ zeigen oder eine südamerikanische Telenovela mit serbokroatischen Untertiteln. Das bosnische Fernsehprogramm scheint aus solchen Sendungen zu bestehen.

Ein, zwei Mal haben sie sich bemüht, etwas zu tun. Der Vater hat Arbeit gesucht, aber nicht gefunden, die Arbeitslosenquote liegt bei 43 Prozent. Und dann ist er auch noch Serbe, und die, die Jobs vergeben, sind Moslems. Sanja hat in Tuzla einen Englischkurs angefangen, aber was die Lehrerin auf Serbokroatisch erklärt hat, konnte sie kaum verstehen, Lesen kann sie ihre Muttersprache nur mühsam, schreiben gar nicht. Außerdem könne sie sich nicht konzentrieren, sagt sie. Nach zwei Wochen hat sie aufgegeben. Jetzt machen sie beide nichts. „Man muss die Zeit totschlagen“, sagt Sanja. In Berlin haben die anderen bald ein halbes Schuljahr hinter sich.

Das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge, kurz Bafl, Außenstelle Berlin, hat den Asylantrag der Schwester erwartungsgemäß abgelehnt. Die Anwälte legten Rechtsmittel ein, um Zeit zu gewinnen, das machen alle so. Tanja und die Mutter dürfen nun bis Mai bleiben.

In dem großen Kinderzimmer in Berlin-Steglitz wohnt Tanja jetzt allein. Sie hat ein Foto ihrer Schwester als Bildschirmschoner auf ihrem Computer. Die beiden schicken sich SMS, und wenn sie telefonieren, fragt Sanja als Erstes, wie es in der Schule geht. In der Wohnung ist alles beige. Der Flur, die Zimmer, die Möbel, der Boden, die Wände, das Licht. Im Frühjahr sind sie hierher gezogen, die Einrichtung haben Freunde bezahlt. Sie wollten vom Sozialamt unabhängig sein. Zoran Ristic hatte seit drei Jahren eine Arbeitserlaubnis für vier Stunden am Tag. Milica Ristic, die Zahnarzthelferin ist, bekam keine. Die Abschiebehaft und die Ausweisung von Mann und Tochter steckt sie nicht gut weg. Angstzustände, Atemnot, Schlafstörungen, Rücken- und Kopfschmerzen sind wieder schlimmer seitdem. Die Psychologin hatte Angst, dass Milica Ristic durchdreht.

Ihre ältere Tochter in Bosnien hat am Mittag dann doch etwas vor. Per SMS hat eine Freundin sich mit ihr zum Chatten verabredet, der Vater fährt sie zum Internetcafé nach Tuzla. Sie nimmt den Computer mit Kamera. Auf einem taschentuchgroßen Bildschirm kann sie grob verpixelte Bilder von ihrer Freundin in Berlin sehen, die ruckartig hin- und herspringen. Dazu ploppen Fragen auf dem Bildschirm auf: Hallo, wie geht’s? Und: Wann kommst du zurück? Das Internetcafé ist ein dunkler verqualmter Schlauch mit lauter Musik, an den anderen Computern lassen Jugendliche mit jaulenden Lasern Planeten explodieren oder Menschen zerplatzen. Es ist die fröhlichste Stunde ihres Tages. Sie hat ganz rote Wangen, als sie mit ihrem Vater danach noch einen Pulver-Cappuccino im „Roma“ trinkt. Das „Roma“ ist ein dreistöckiges Discorestaurant, in dem viele Fernseher hängen, die Videoclips oder Fußball zeigen. Sanja sagt: „Wenn man hier im Urlaub wäre, könnte das ganz nett sein.“

Als sie zurückkommen, geht der Strom auch in Bukinje wieder, draußen ist es dunkel, der Fernseher läuft. Die Oma hat Börek gemacht, Blätterteigrollen mit Frischkäse, und guckt zu, wie Sanja und ihr Vater essen. Sie hat Diabetes, es geht ihr nicht gut, und die Abschiebung von Sanja und Zoran hat alles noch viel schlimmer gemacht. „Ich hätte damals in Deutschland bleiben sollen“, sagt sie. Wie viele andere Gastarbeiter auch. Die Kinder und den Mann zu sich holen, statt zu ihnen zurückzukehren. Was wäre ihnen alles erspart geblieben, hätte sie damals anders entschieden!

Wäre, hätte, könnte.

Man möchte Sanja und Zoran zurufen: Aber was, wenn ihr hier bleiben müsst? Sie verschließen die Augen. Sie sind kaputt, sie können und wollen nicht sehen. So, wie sie in Deutschland ignoriert haben, dass ihre Duldungen nicht ewig verlängert werden. Sie haben auf diejenigen geguckt, die plötzlich doch eine Aufenthaltsgenehmigung bekamen, und es gab immer wieder solche Fälle.

Die Psychologin sagt: Verdrängung ist eins der Kardinalsymptome von Stresstraumatisierten. Der Anwalt sagt: Besonders Flüchtlinge mit Kindern wollen nicht zurück. Aus den Kindern solle ja mal was werden.

Seit dem 11. August ist auch Tanja in Behandlung. Die Lehrer haben einen Krisennotdienst angerufen, weil sie sich seltsam benahm. Man hatte sie im Abschiebegefängnis allein eingesperrt. Deutschland hat sein böses Gesicht gezeigt an dem Tag. „Ich dachte, in Berlin können wir in Ruhe leben“, sagt ihre Schwester in Tuzla. Sie hat sich geirrt.

Bevor sie ins Bett geht, betet Sanja. In der Schrankwand im alten Kinderzimmer ihrer Mutter, steckt ein buntes Jesusbild zwischen den Glasscheiben der Vitrine. Sanja betet, dass das, was gerade passiert, einen Sinn hat. Sie fühlt sich oft allein. Ein Mädchen in meinem Alter braucht seine Mutter, sagt sie. Dann weint sie doch. Oben auf dem Schrank liegt ein schwarzer Koffer vollgepackt mit ihren Sachen. Sie will vorbereitet sein.

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