Zeitung Heute : Boston: FBI identifiziert Tatverdächtigen

Mehr 1000 Beamte aus 30 US-Staaten ermitteln / Brief mit tödlichem Gift an Obama abgefangen.

Nach dem Bombenanschlag auf den Boston-Marathon verfolgen die Ermittler nach eigenen Angaben eine erste Spur. Auf Überwachungsvideos sei ein Verdächtiger identifiziert worden, verlautete am Mittwoch aus den Sicherheitsbehörden. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft dementierten aber offiziell einen Bericht des Fernsehsenders CNN, ein Verdächtiger sei festgenommen worden. CNN hatte unter Berufung auf Sicherheitskreise zudem gemeldet, bei der Auswertung eines Überwachungsvideos sei ein Mann entdeckt worden, der vor den Explosionen eine Tasche am Tatort abgestellt habe. Bei dem Anschlag waren am Montag drei Menschen getötet und mehr als 180 verletzt worden. Bei den Todesopfern handelt es sich um einen achtjährigen Jungen, eine 29 Jahre alte Amerikanerin und eine Studentin aus China. Am Mittwoch schwebten immer noch zwei Verletzte in Lebensgefahr. Der Zustand von zehn weiteren sei ernst, hieß es.

Zu der Tat hat sich zunächst niemand bekannt. Der FBI-Chef von Boston, Rick DesLauriers, rief deshalb die Öffentlichkeit zur Mithilfe auf, Augenzeugen sollten Fotos und Videos einreichen, Restaurants und Geschäfte in der Nähe des Marathon-Zieleinlaufes Bilder von Überwachungskameras zur Verfügung stellen. Insgesamt waren in Boston rund 1000 Beamte aus 30 US-Staaten auf der Suche nach den Tätern.

Experten untersuchten weiter die Überreste der Sprengsätze – zu Splitterbomben umgebaute Schnellkochtöpfe, die mit Schwarzpulver, Nägeln und Stahlkugeln gefüllt waren. Teile der Sprengsätze wurden auf Dächern gefunden. Nach bisherigem Erkenntnisstand seien beide Sprengsätze mit schwarzen Taschen oder Rucksäcken an die Explosionsorte gebracht worden. An die Opfer des Bombenanschlages soll am Donnerstag in Boston eine Gedenkfeier im Beisein von Präsident Barack Obamas erinnern.

Vorübergehend wurde am Mittwoch – offenbar nach einer Bombendrohung – das Bundesgericht in Boston evakuiert. Gerichtsbedienstete und Medienvertreter wurden zum Verlassen des Gebäudes aufgefordert und sollten sich zudem von dem Gebäude entfernen, wie ein Reuters-Reporter vor Ort berichtete.

Unterdessen sorgten in Washington Briefe für Aufregung, die auf das lebensgefährliche Gift Rizin positiv getestet wurden. Eines der Schreiben war an Obama adressiert. Ob es sich bei der gefundenen körnigen Substanz tatsächlich um das Gift handele, könnten allerdings erst intensive Untersuchungen ergeben, die bis zu 48 Stunden dauern würden, teilte das FBI mit. Auch in einem Brief an einen US-Senator waren Rizin-Spuren entdeckt worden. Das FBI ging aber zunächst nicht davon aus, dass es einen Zusammenhang mit dem Anschlag von Boston gibt.mit dpa/rtr/AFP

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