Zeitung Heute : Botag: Projekte und Geschäfte

Das Kerngeschäft der Botag war der öffentlich geförderte Wohnungsbau und die Vermarktung dieser Projekte als geschlossene Immobilienfonds. In dieser Finanzierungsstrategie entstanden nach einer Leistungsbilanz der Wirtschaftsprüfer (WP) Röver & Partner 60 von 71 Immobilienprojekten. Zuständig für die Fonds ist die Abteilung "Bestandskunden". Verkehrswert: rund 1,5 Milliarden Mark.

Zu Berliner Mauerzeiten durften Bauträger für steuerlich geförderte oder Sozialbau-Wohnungen bis zu 40 Mark pro Quadratmeter in Rechnung stellen. Davon zahlte der Mieter zwischen sechs und 12 Mark; der Rest waren Subventionen, von denen die Fonds auch die Ausschüttungen für Anleger zahlten. Da niemand auf dem freien Markt 40 Mark Miete zahlt, müssen die Anleger spätestens mit Ablauf der Förderung Geld nachlegen, sofern keine Haftungsbeschränkung gilt. Bereits 1998 hatten der Leistungsbilanz zufolge 14 Fonds Probleme: Einer ging zum symbolischen Kaufpreis von einer Mark je Anteil an die Botag zurück; die Anleger konnten ihre Investition abschreiben. Bei einem anderen mussten sie neues Geld nachschießen, in zwei Fällen bekamen sie keine "Zinsen" für ihr Kapital und bei fünf Fonds bekamen sie nur die Hälfte der versprochenen Ausschüttungen.

Die "Geschäftseinheit Firmen- und Großkunden" wickelt die IVG derzeit ab. Diese bearbeitete Ende 1998 14 Immobilien-Investitionen im Wert von 1,232 Milliarden Mark. Nach Angaben der IVG sollen nur die Gewerbeprojekte aus der Botag herausgenommen und teils in die neue IVG-Tochter Wertkonzept übergehen. Die Leistungsbilanz verzeichnet sechs Botag-Projekte mit einem Wert von 414 Millionen Mark. Die besagte Abteilung besorgte zudem die Geschäfte bei vier Wohnprojekten im Wert von 452 Millionen; außerdem war sie als Dienstleister für Dritte tätig bei Projekten im Gegenwert von 452 Millionen Mark. Ob IVG und Wertkonzept mit den Altlasten glücklich werden? Das Grundstück "Cuvrystraße" beispielsweise kaufte die Botag 1992. Für 100 Millionen Mark sollte dort ein "Kreuzberger Technologie Zentrum" entstehen. Der Baubeginn wurde immer wieder verschoben, jüngster Termin für die Fertigstellung ist Sommer 2001. Verschoben und umgeplant wurden auch die Spree-Speicher. Geplatzt ist im Mai die geplante Investition in den Bau eines Multiplex-Kinos in Spandau. ball

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