Zeitung Heute : Botag: Wie Lechner Kapital aus seinen Aktien schlug

Botag-Gründer Rolf Lechner ist ein Gewinner: Er gewinnt Menschen für sich, weil er verbindlich und überzeugend ist, und dadurch gewinnt er so manchen Verhandlungspoker. Auch beim Verkauf "seiner" Firma an die Aktiengesellschaft IVG? "Wer kauft möchte wenig bezahlen, wer verkauft viel einnehmen", sagt Lechner, "deshalb haben wir uns ein wenig behakt, aber letztlich sehr fair geeinigt." Bemerkenswert genug: Die Gegenseite sieht das fast genau so. Gibt es also nur Gewinner? Kaum, bei einem Botag-Verlust von knapp 24 Millionen im Jahr 1999.

Freilich, die zwei Verhandlungspartner können den Verlust verschmerzen: Die IVG ist so groß (siehe Interview), dass die Botag keine sichtbaren Spuren hinterlässt, und in Lechners Eigentum ist "in 30 Jahren doch einiges übrig geblieben." Einiges ist noch dazugekommen für seine jüngst an die IVG verkaufte Botag-Aktien. Zum Beispiel ein Areal auf Grand Canaria im Wert eines "zweistelligen Millionenbetrags". Außerdem "haben wir noch einige andere Deals dazu geschlossen", sagt Lechner. Der Fuchs ist zufrieden, denn im Poker um die angemessene Bewertung seines Aktienpakets ging er nicht in die Falle. Immer wenn die IVG den Wert von Grundeigentum niedrig ansetzen wollte, habe er gesagt: "Und was sagt Ihr, wenn ich das zu dem Preis selbst übernehme?." Listig, so konnte die IVG schlecht Projekte unter Preis in die Aufrechnung des Unternehmenswerts einbringen und auch nicht Lechners Aktienpaket billiger bekommen.

Allerdings muss der Botag-Gründer in der IVG einen ebenbürtigen Verhandlungspartner gefunden haben. "Der Mindestpreis meiner Anteile orientierte sich am Bilanzkurs der Botag," sagt Lechner, "und es gibt erhebliche Möglichkeiten, den zu beeinflussen." Die Wertberichtigungen und der Millionenverlust, die Auflösung der Gewinnrücklagen - all dies habe den Wert seiner Aktien verringert. Und, um Vergleiche nicht verlegen: "Das war wie beim Weggang von Edzard Reuter bei DaimlerChrysler." Der neue Vorstandschef Jürgen E. Schrempp habe bald nach seiner Inthronisierung die desolate Lage des Konzerns verkündet, der bei Reuters Abschied kurz zuvor noch glänzend dagestanden hatte. Die Konzernlenker stützten ihre entgegengesetzten Bewertungen mit Bilanzen und Testaten einer Schar von Wirtschaftsprüfern und Buchhaltern.

Fast ist der Autor schon geneigt, von Lechners Rede gebannt, alles zum Besten bei der Botag zu wähnen. Was aber ist mit der Einkaufstour von 1997 bis 1999? Was mit den hohen Zins-Kosten in ihrer Folge? Und was mit dem Verlust? Der Patriarch weicht nicht aus: "Ich will nichts beschönigen, ich hatte eine optimistischere Sicht der Dinge." Auch sei der Preis seiner Anteile nach unten gedeckelt gewesen, aber nach oben offen. "Da habe ich natürlich Gas gegeben", sagt er. Dass die IVG den Großeinkauf von Grundstücken mitmachte, ist erklärlich: Über Börsenkurse entscheidet Umsatzwachstum oft mehr als die Gewinn-Entwicklung.

Und was wird aus Lechner nun? "Ich werde mich ein bißchen als Business-Engel betätigen", sagt er. Mit Erfahrungen, Kontakten "und auch Geld" wolle er jungen Leuten in den Sattel helfen. "Das Immobilien-Geschäft ist mein Lebensinhalt", sagt er. Wer weiß, vielleicht hilft er ja auch seinen ehemaligen Angestellten, die bei der Filetierung der Botag ihren Arbeitsplatz verloren. ball

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