Zeitung Heute : Bräute bewundern

Wie eine Berlinerin, Ost, die Stadt erleben kann

Britta Wauer

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Kai-Uwe Heinrich

Neulich habe ich einen Traumberuf entdeckt. Er ist nicht zu vergleichen mit dem Dasein eines Superstars oder Staatsmannes oder dem eines sonstigen Prominenten. Bei dem Job geht es nicht um Ruhm oder Macht, sondern um das pure Glück, das täglich aufs Neue zu einem kommt – ein ganzes Arbeitsleben lang. Ich wäre gern Hochzeitsausstatterin.

Auslöser dieser Erkenntnis ist meine beste Freundin. Sie heiratet demnächst, und inzwischen laufen die Hochzeitsvorbereitungen. Für mich eine neue Erfahrung. Meine Freundin nahm mich mit zur Kleiderprobe in ein Hochzeitsgeschäft. Es war ein großer Laden mit liebevoller Dekoration, der Passanten dazu gerade dazu verleitet, draußen vor den Schaufenstern zu träumen. Drinnen stehen junge Frauen und tasten sich mit weißen Handschuhen durch die aufgereihten Märchenkleider, um sie ja nicht zu beschmutzen.

Es sind sehr schöne Frauen mit einer erhabenen Haltung, denn sie wissen, sie werden geliebt und demnächst geheiratet. Wenn sie sich ein paar Kleider ausgesucht haben, verschwinden sie mit einer Verkäuferin in ein Separée und kommen als Prinzessinnen wieder. Sie drehen sich vor dem Spiegel und schauen sich glücksselig an. Die Verkäuferinnen hocken vor ihnen, stecken die Schleppe ab und lächeln. Es ist ein ganz besonderes Lächeln, ein sanftes und sehr weises. Sie wissen, sie haben aus den schönen Frauen noch schönere gemacht. Sie haben ihre Kundinnen in einem der glücklichsten Momente erlebt – selbst wenn diese am Ende vielleicht doch keines dieser sündhaft teuren Kleider gekauft haben werden. Dieser Job ist wie ein ewiger Märchenfilm: beim Happy-End wird abgeblend’.

Schön wär’s, aber da wir nicht alle Hochzeitsläden eröffnen können, gibt es hier noch einen anderen Tipp, wie man Frauen zu Prinzessinnen oder anderen begehrten Wesen machen kann. Zu vielen Hochzeitskleidern gehört etwas, das wir in der Regel sehr schön finden, aber selten in Läden sehen: das Korsett. Jede Frau, die mal eines getragen hat, weiß, wie sich der eigene Körper dadurch wohlproportionieren lässt und die Haltung verbessert. Man braucht auch nicht zu glauben, ein Korsett sei nur was für sehr dünne oder ohnmachtsanfällige Damen. Jede Frau ist schnürbar, in der Regel zu ihrem Vorteil und ganz nach Wunsch.

In Prenzlauer Berg gibt es seit einiger Zeit einen kleinen Laden, in dem man Korsetts kaufen kann. Es sind alles Einzelanfertigungen, sie sind auch alles andere als billig, aber sie machen ordentlich was her. Vor allen Dingen kann man Korsetts immer wieder tragen, nicht nur zu einem einzigen Fest. Es gibt sie in allen Farben, Stoffen und immer neuen Raffinessen. Wer sich inspirieren lassen will, hat ab Sonnabend Gelegenheit dazu: Die Korsettmacherin Mane Lange, der auch der Laden in Prenzlauer Berg gehört, stellt in Potsdam einige ihrer schön geschnürten Abendgarderoben aus.

Eröffnung der Korsett-Ausstellung am 15. März von 15 bis 20 Uhr im „Atelier Kontrast“, Mittelstraße 6 im Holländischen Viertel, Potsdam (bis 27. April). Der Laden von Mane Lange ist in der Hagenauer Straße 13, Telefon 44 32 84 82

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