Zeitung Heute : Brandenburg-Aktionäre gesucht

Der Tagesspiegel

Von Michael Mara

Potsdam. Brandenburg setzt seine Verschuldungspolitik fort, geht jetzt aber bei der Kapitalbeschaffung neue Wege: Um die beträchtlichen Haushaltslücken zu schließen, setzt das Land verstärkt auf den internationalen Kapitalmarkt. Kommende Woche will Finanz-Staatssekretär Karl-Peter Schackmann-Fallis in europäischen Hauptstädten Investoren für eine neue Brandenburg-Anleihe gewinnen. Sie wird sich insgesamt auf eine Milliarde Euro belaufen und an der Börse gehandelt werden. Die so genannte „Roadshow“ beginnt Montag in London. Sie wird Schackmann-Fallis auch in andere europäische Finanzmetropolen wie Amsterdam, Paris, Zürich und Wien führen. Insgesamt sind an die 30 Veranstaltungen geplant. Danach wird mit der Ausgabe begonnen.

Der Staatssekretär will die Anleihe nach eigenen Angaben „einem möglichst breiten und vorrangig institutionellen Investorenkreis schmackhaft machen“. Besonders wichtig sei, „Vertrauen in die Kreditwürdigkeit Brandenburgs zu schaffen“, das in vielen Bereichen „sehr gut“ dastehe.

Zu den potenziellen Investoren zählen Investment- und Pensionsfonds sowie Banken und Versicherungen. Doch kann auch jede Privatperson Anteilscheine von jeweils mindestens 1000 Euro erwerben. Die Laufzeit der Anleihe wird fünf bis zehn Jahre betragen, der Zinssatz um fünf Prozent liegen und damit günstiger als bei Bundesanleihen sein. Die endgültigen Konditionen werden nach der „Roadshow“, bei der die Präferenzen der Investoren ermittelt werden, festgelegt. Schackmann-Fallis sieht „gute Chancen, die Brandenburg-Anleihe hervorragend zu platzieren“. Die internationale Ratingagentur Moody’s habe Brandenburgs Kreditwürdigkeit am Donnerstag mit „sehr gut“(Aa29) eingestuft, damit sei die hervorragende Bewertung von Standard & Poor’s vom 19. März bestätigt worden. Schon die erste Brandenburg-Anleihe vom Oktober 2001 über insgesamt 750 Millionen Euro sei „ausgezeichnet gelaufen“, obwohl es kein Rating, also keine gezielte Ansprache internationaler Investoren gegeben und man sich weitgehend auf den nationalen Markt beschränkt habe.

Brandenburg muss bei der Kapitalbeschaffung neue Wege beschreiten, weil der Verkauf von Schuldverschreibungen bei Banken „nicht mehr jederzeit in ausreichendem Maße möglich ist“. Außerdem ist das mit rund 14 Milliarden Euro verschuldete Land gezwungen, möglichst günstige Wege bei der Kreditaufnahme zu gehen. Schackmann-Fallis sieht noch einen anderen Vorteil: „Durch die Platzierung von Wertpapieren auf dem internationalen Kapitalmarkt verbreitern wir unseren Investorenkreis.“ Es gebe im sich entwickelnden paneuropäischen Kapitalmarkt genügend Investoren. Die Verschuldungslage des Landes wird sich in den nächsten Jahren weiter dramatisch verschlechtern: Bis 2004 wird der Schuldenberg auf 14,8 Milliarden Euro anwachsen. Nettokreditaufnahme und Tilgung belaufen sich derzeit auf zwei bis 2,5 Milliarden Euro im Jahr - bei einem Haushaltsvolumen von rund zehn Milliarden Euro. Neben einer größeren Anleihe sind auch mehrere kleinere Landesschatzanweisungen und Schuldscheine bis 100 Millionen Euro geplant.

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