Zeitung Heute : Brasilien – Frankreich

Viertelfinale, WM-Stadion Frankfurt, 21.00 Uhr, live im ZDF und bei Premiere

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Patrick Vieiras bester Trick ist grob hinterlistig, was auch daran liegt, dass er als Altruismus verkleidet daherkommt. Jener hässliche Silberbecher, mit dem die Fifa-Offiziellen nach jedem Spiel den „Man of the Match“ bedenken, ist unter Spielern mäßig beliebt. „Lass ich ihn mir halt überreichen“, mag Vieira sich gedacht haben, um den Haushalt seiner Mitspieler von Gerümpel freizuhalten. Nach dem Sieg seiner Franzosen gegen Spanien wurde der Mittelfeldmann nun schon zum zweiten Mal als herausragende Kraft geehrt. Natürlich wollte er auch Brasilianer täuschen. Sollen die nur glauben, er hätte bei dieser WM schon genug Trophäen gesammelt!

Heute will Vieira sich noch einmal steigern. Gelingt ihm das, ist gegen die favorisierten Brasilianer alles möglich. Gegen Spanien jedenfalls waren Vieira und Makelele die Schlüsselfiguren. Sie waren es, die vor dem eigenen Strafraum die Räume derart geschickt zustellten, dass das bis dahin betörende Passspiel der Spanier wirkungslos blieb. Zudem hat Zinedine Zidane, einst Weltfußballer, zuletzt schwächelnd, doch noch ins Turnier gefunden. Er leitete die Entscheidung gegen die Spanier ein. Heute trifft er auf Ronaldinho – der ehemals beste Mittelfeldspieler der Welt gegen den aktuellen. Ronaldinho hat sein einzigartiges Können bisher recht gut verborgen, gibt sich aber entspannt. „Wir schießen die Tore, wenn wir müssen. Wir kontrollieren den Gegner – und wir können uns den Luxus leisten, Chancen zu vergeben“, sagte er der argentinischen Zeitung „Clarín“. Gegen die stabile französische Defensive wird minimaler Aufwand nicht ausreichen. Möglich also, dass Robinho anstelle Adrianos stürmt, jedenfalls hat er sich nach seiner Verletzung wieder gesund gemeldet. Für Robinho wäre es ein besonderer Einsatz. Zidane sei in der gemeinsamen Zeit bei Real Madrid sein Freund geworden, erzählt er stolz. Quasi zum Dank würde er ihn gerne in Rente schicken: „Ich hoffe, dass er seine Laufbahn im Spiel gegen Brasilien beenden muss.“ Ob er sich das gut überlegt hat? Die Spanier haben ähnlich gesprochen. Dann kam Zidane.

Schiedsrichter:

Luis Medina Cantalejo (Spanien)

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