Zeitung Heute : Brasilien? Spanien? Niederlande?

Philipp Köster hält am Ende doch zu Deutschland

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Der englische Schriftsteller Nick Hornby hat einmal den klugen Satz gesagt, dass man sich seinen Lieblingsverein nicht aussuchen kann, er wird einem gegeben. Und so leiden Fußballfans ihr Leben lang darunter, dass sie vom Fußballgott ausgerechnet so merkwürdige Vereine wie Arminia Bielefeld oder Fortuna Düsseldorf zugeteilt bekommen haben.

Bei der WM ist das anders. Da können Sie nämlich halten, zu wem Sie wollen, zu Deutschland, zu Brasilien, zu Australien, sogar zu Holland. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, weder müssen Sie die Sprache Ihres neuen Lieblingslandes können, noch sich näher mit der Mannschaft beschäftigt haben. Trikot überziehen reicht völlig aus.

Doch welches Team lohnt sich? Wäre ja unschön, wenn Sie bereits nach der Vorrunde ohne eigene Mannschaft dastehen, bloß weil Sie sich aus purer Sympathie mit den Kleinen und Schwachen zu Togo oder Tunesien bekannt haben. Finger weg auch von Gewinnmitnahmen wie Spanien! Spätestens im Achtelfinale suchen Sie sich hektisch ein Alternativland.

Also doch: Brasilien. Die Truppe ist bis zum Schluss dabei, das Trikot gibt es beim Ramschhändler an der Ecke und rudimentäres Fachwissen zur Truppe halten wir ja jeden Morgen für Sie bereit. Allerdings Vorsicht vor Flüchtigkeitsfehlern! Am Dienstag saß im Olympiastadion hinter uns ein deutsches Pärchen in brasilianischen Trikots. Nach etwa zehn Minuten sagte sie zu ihm: „Du hast Recht, der Ronaldinho ist wirklich ganz schön dick!“ Er fand das auch.

Wir lachten und beschlossen, vorerst weiter zu Deutschland zu halten. Auf die Gefahr, dass wir uns im Viertelfinale ein neues Land suchen müssen.

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