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RTL und CNN wechseln die komplette n-tv-Spitze aus

Ulrike Simon

Was ein Nachrichtensender wenige Stunden vor einem Krieg wirklich nicht brauchen kann, ist am Dienstag n-tv passiert. Nach einer Aufsichtsratssitzung teilten die Gesellschafter RTL und CNN Time Warner der überraschten Belegschaft mit, dass die komplette Führungsriege ausgewechselt wird. Geschäftsführer Helmut Brandstätter darf nur noch bis zum Ende des bevorstehenden Irak- Krieges bei n-tv bleiben, danach muss er gehen, ebenso wie sein Stellvertreter Wolfgang Fischer. „Wir wollten einen Neuanfang“, sagte RTL-Geschäftsführer Hans Mahr dem Tagesspiegel am Dienstag.

RTL hatte 2002 von der Verlagsgruppe Holtzbrinck, zu der der Tagesspiegel gehört, 47,3 Prozent der n-tv-Anteile erworben. Künftig wird der Sender auch von einem RTL- Mann geleitet. Neuer, alleiniger Geschäftsführer ist Johannes Züll, zuletzt Chef von RTL New Media. Der Änderungen nicht genug: Karl-Ulrich Kuhlo, der n-tv einst aus der Taufe hob, verkauft seinen 0,75-Prozent-Anteil und gibt den Aufsichtsratsvorsitz an Ken Jautz ab. Der CNN-Mann leitete den Sender schon einmal von 1999 bis 2001. Stellvertretender Aufsichtsratschef ist jetzt Hans Mahr.

„Meine Entscheidung, den Aufsichtsratsvorsitz abzugeben und mich von meinen Anteilen zu trennen, ist vier Wochen alt und hat nichts mit dem Wechsel der Geschäftsführung zu tun“, sagte Kuhlo dem Tagesspiegel und fügte hinzu: „Ich habe den Sender elf Jahre lang geführt, er ist mein Baby. Vor vier Jahren habe ich die Geschäftsführung abgegeben, weil ich den Karren nicht allein ziehen wollte. Der Rückzug funktionierte nicht, als Aufsichtsratschef bin ich doch wieder in die Pflicht gegangen - insbesondere im vergangenen, sehr harten Jahr, in dem wir 30 Prozent der Kosten gespart haben. 2003 hat n-tv die Chance, wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Meine Aufgabe sehe ich als erledigt an.“

RTL wird trotz erfolgter Sparmaßnahmen und Stellenstreichungen die Zügel weiter anziehen. Züll sei der richtige Mann, „er hat bei RTL gezeigt, dass er sanieren kann“, sagte Mahr. Und weiter: „Nur eine gesunde wirtschaftliche Basis garantiert die redaktionelle Unabhängigkeit von n-tv“. Die sei gewährleistet, trotz geplanter Kooperationen mit RTL. Auch räumlich denkt Mahr an eine größere Nähe. Der Sender n-tv bleibe zwar in Berlin, allerdings sei der Standort Taubenstraße für ein Fernsehunternehmen „alles andere als ideal“. Ergibt sich die Gelegenheit, könnten n-tv und das RTL-Hauptstadtstudio unter ein Dach gehen Über die gemeinsame Nutzung von Räumen werde die Nähe aber nicht hinausgehen, versichert der RTL-Chef.

RTL hat nun das Sagen, CNN darf über den Aufsichtsrat mitreden. Die alte Führung schien da zu stören, man wirft ihr Managementfehler vor, etwa jenen, zu spät auf den Einbruch des Werbemarktes reagiert zu haben. Kuhlo sieht es so: „Früher waren die Gesellschafter ein zusammengewürfelter Haufen, da ging es danach, was der Gründer vorgibt. Jetzt teilen sich n-tv zwei große Eigentümer. Da wird ,Papa n-tv’ nicht mehr gebraucht. Man muss erkennen, wann die Zeit gekommen ist zu gehen.“

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