BRIT-POPFranz Ferdinand : Die Zügel locker lassen

Jörg W er

Am Ende hat sich das Warten doch gelohnt. Fast dreieinhalb Jahre – gefährlich lang in einer sich rasant verändernden Poplandschaft – haben Franz Ferdinand ihre Fans auf die Folter gespannt, ehe im Januar ihr drittes Album erschien. Und die Schotten haben mit „Tonight: Franz Ferdinand“ tatsächlich etwas riskiert, haben die auf dem Vorgänger „You could have it so much better“ überstrapazierte Erfolgsformel durchgeschüttelt und sich beherzt neuen Ideen hingegeben.

Zwar mag ein Konzeptalbum über Verlauf und Folgen einer durchfeierten Nacht nicht sonderlich originell wirken, wenn fast jede Indie-Band an elektronischen Beats herumbastelt und der Zustand der Dauerparty zum beherrschenden Songthema wird. Doch abgesehen davon, dass auf Franz Ferdinand kein Epigonenverdacht fällt, weil sie 2003 mit den epochalen Singles „Darts of Pleasure“ und „Take me out“ die Indie-Dancefloor-Bewegung mit losgetreten haben, machen sie das schon sehr gut: Wie sie einen mit dem eher konventionellen „Ulysses“ ködern, um dann immer mehr die Zügel loszulassen, das hat Klasse. Da stehen luftige Afrobeat-Gitarren („Send him away“) neben pumpenden Disco-Bässen („Can’t stop feeling“) oder wüsten Band-Freakouts, die The Who zur Ehre gereicht hätten („What she came for“). Am tollsten ist das achtminütige „Lucid Dreams“, wo ein zäher Gitarren- Groove in ein bohrendes Synthie-Acid-Gehacke übergeht, dessen Sog man sich kaum entziehen kann. Die Konstante im Wirbel der Neuheiten ist indes Alex Kapranos: Sein leicht blasiertes, nasales Organ bleibt eine der markantesten Stimmen in der zeitgenössischen Popmusik. Jörg Wunder

Columbiahalle, Mi 25.3., 21 Uhr, 33 € CG754

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