BRITPOPNoel Gallagher’s High Flying Birds : Du bist nicht mein Bruder

Oasis war eine klassische Entweder-Oder-Band. Entweder man verfiel den breitwandig instrumentierten Hymnen der Gallagher-Brüder rettungslos. Oder sie ließen einen kalt und man fragte sich, was der Hype um die grobschlächtgen Mancunians (=Bewohner der Stadt Manchester) überhaupt sollte, wo es doch viel feinsinnigere Britpop-Bands wie Blur oder Pulp gab. Aber die hatten eben nicht diesen Willen zum Larger-than-Life in allen Lebenslagen, zu unwiderstehlichen Melodien, die ein ganzes Fußballstadion nach einmaligem Hören mitsingen kann, zum hemmungslosen Rowdytum, kurz: zum wahren Rock’n’Roll.

Ist ja nun alles vorbei, weil die Gallaghers sich vor zweieinhalb Jahren nach tausend Scharmützeln endgültig zerstritten und getrennte Wege gingen. Der jüngere, Liam, hat mit Beady Eye sozusagen Oasis ohne Bruder gegründet. Kann natürlich nicht funktionieren: Das ist schlimmer als Mick Jagger ohne Keith Richards, weil Noel ja all die tollen Songs allein geschrieben hat. Auch wenn Liam der bessere Sänger bleibt. Aber Noel ohne Liam, geht das? Zumindest erheblich besser, wie das Debütalbum seiner als Noel Gallagher’s High Flying Birds getarnten Soloambitionen demonstriert. Noel hat als Sänger zwar nicht das von einem überdimensionierten Ego befeuerte Charisma seines einfacher gestrickten Bruders. Aber dafür gelingt ihm eine Form von Intimität, die nicht nur den neuen, zum Teil erstklassigen Songs wie „The Death Of You And Me“ oder dem an „Wonderwall“ erinnernden „If I Had A Gun...“ gut tut, sondern auch den Oasis-Klassikern andere Schattierungen verleihen dürfte.Jörg Wunder

Max-Schmeling-Halle, Fr 9.3., 20 Uhr, 30-35 € + VVK

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