BRITPOPSuede : Alles wieder im Lot

Britische Popmusik war Anfang der Neunziger eine ziemlich rockige Angelegenheit. Der drogenumnebelte Madchester-Rave von Primal Scream und die wabernden Gitarrenepen von My Bloody Valentine fungierten als Rollenmodelle, vom Einfluss amerikanischer Grunge-Bands ganz zu schweigen. Doch dann kam Suede. Benannt nach einem Song ihres Idols Morrissey („Suedehead“), kniffelten die Jungs um Schönling Brett Anderson aus der überkandidelten Glamrock-Grandezza von Roxy Music und David Bowie und der neunmalschlauen Belesenheit von Morrisseys Ex-Band The Smiths ihre eigene Pop-Matrix zusammen. Und das Vereinigte Königreich lag ihnen zu Füßen. Suedes 1993 veröffentlichtes Debüt wurde das bestverkaufte britische Album seit Frankie Goes To Hollywood und bereitete den Britpop-Boom der kommenden Jahre vor.

Trotz des märchenhaften Erfolgs, den sie mit „Dog Man Star“ (1994) und „Coming Up“ (1996) wiederholte, war Suede eine Band mit Problemen. So teilte sie mit ihren Vorbildern The Smiths das Schicksal des zerstrittenen Kreativzentrums: Anderson und Gitarrist Bernard Butler hielten es nur zwei Alben miteinander aus, fortan glaubte man eine kompositorische Unwucht in den Songs zu spüren. Auch blöd: In Amerika bekam Suede kein Bein auf den Boden, wohl auch, weil man sich dort nach einem Rechtsstreit London Suede nennen musste. Nach einem letzten, wenig inspirierten Album fiel vor zehn Jahren der Vorhang. Brett Andersons Solokarriere glich allerdings einem Irrlichtern, so dass die Fans aufatmeten, als Suede in der Post-Butler- Besetzung 2010 ein Comeback einläuteten, das nun von der tollen Platte „Bloodsports“ und der anstehenden Tournee gekrönt wird.Jörg Wunder

Huxleys Neue Welt, Mo 18.11., 20 Uhr, 32 €

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