BRITROCKManic Street Preachers : Tagebuch eines Verlorenen

Bis 1995 lief es ziemlich gut für die Manic Street Preachers: Schon die frühen, auf obskuren Indie-Labels vertriebenen Singles gingen weg wie warme Semmeln, das 1992 erschienene Debütalbum „Generation Terrorists“ zählte zu den Initialzündungen der Britpop-Ära. Die Kritiker liebten die Manics, die Fans waren aus dem Häuschen. Kurzum: Das Quartett aus dem walisischen Bergarbeiternest Blackwood war dabei, zu einer der größten britischen Bands aufzusteigen. Und dann verschwand ihr Gitarrist und Textschreiber Richey Edwards spurlos. Edwards, dessen selbstzerstörerische Bühnenperformance elementarer Bestandteil der Identität war, hinterließ nicht nur eine menschliche Lücke, auch als Musiker schien er kaum zu ersetzen.

Doch Nicky Wire, James Dean Bradfield und Sean Moore (von links ) gelang das Unerwartete: Gerade die erste Post-Edwards- Platte „Everything Must Go“ brachte den Durchbruch, ihre mit einem Gefühl von Trauer und Verletzlichkeit aufgeladenen Hymnen wie „A Design For Life“ oder „If You Tolerate This, Your Children Will Be Next“ gehören zum Soundtrack einer Generation. Auf diesem Erfolgsniveau konnte sich die stets mit einem Hauch von Tragik umflorte Band zwar nicht halten, doch zu den verlässlichsten Lieferanten mitsingkompatibler Rocksongs gehören sie immer noch. Dass Edwards zwar aus ihrem Leben, aber nicht aus ihrem Herzen verschwunden ist, bewiesen die gealterten Helden mit einer rührenden Geste: Alle Stücke ihres vorletzten Albums „Journal For Plague Lovers“ basieren auf Songtexten, die im Nachlass ihres verlorenen Kumpels gefunden wurden.Jörg Wunder

Huxley’s Neue Welt, Di 24.4., 20 Uhr, 25 € + VVK

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