Zeitung Heute : Brücke zwischen den Kulturen Ein Neustart für die Geisteswissenschaften

Adrian von Buttlar

Die Geisteswissenschaften haben seit der Neugründung der TU 1946 zum Aufstieg der Hochschule in den Status einer Universität maßgeblich beigetragen. In der europäischen Universitätslandschaft konnten ihre profiliertesten Köpfe häufig eine führende Rolle beanspruchen. Die Zentren für Antisemitismusforschung, Frauen- und Geschlechterforschung und das Frankreichzentrum gewannen hohe Reputation.

Im Zuge der Strukturreformen hat die Fakultät I für Geisteswissenschaften der TU allerdings seit 2004 mehrere traditionelle Fachgebiete und alle Lehramtsstudiengänge – bis auf die „Beruflichen Fachrichtungen“ und „Arbeitslehre“ – opfern müssen. Zum Wintersemester 2006 wird die Fakultät vorbehaltlich der Genehmigung durch den Wissenschaftssenat zu einem Neustart antreten: Mit einer Reihe attraktiver Masterstudiengänge und einem interdisziplinären Bachelorstudiengang.

Nach den Erfahrungen der NS-Zeit war die Einrichtung der Geisteswissenschaften wesentlich durch die Forderung motiviert, den technologischen Sachverstand auf einen humanistischen Wertehorizont auszurichten. Heute haben sie über ihr kritisches Potenzial hinaus die dringliche Aufgabe, neue Brücken zwischen den vermeintlich feindlichen „zwei Kulturen“ des Wissens zu schlagen: „Kultur und Technik“ wird dementsprechend der künftige Bachelorstudiengang heißen, der ein neues, standortspezifisches Profil kulturwissenschaftlicher Studien bieten soll. Über seine Kernfächer wird der Bachelorstudiengang auch einen Zugang zu den neuen, forschungsorientierten Masterstudiengängen eröffnen.

Im Masterstudiengang „Philosophie des Wissens und der Wissenschaften“ wird die kognitive und normative Rolle von Wissen und Wissenschaften in menschlichen Lebenswelten untersucht. Der Studiengang „Geschichte und Kultur der Wissenschaft und Technik“ fragt nach der historischen Genese unserer modernen technisch-wissenschaftlichen Welt. Der Masterstudiengang „Kunstwissenschaft und Kunsttechnologie“ widmet sich der Erforschung, Erhaltung und Vermittlung des europäischen Kunst- und Architekturerbes. Im Studiengang „Historische Urbanistik“ werden Räume städtischen Lebens als Orte der modernen Zivilisationsgeschichte analysiert. Neue Schwerpunkte bieten auch die Studiengänge „Medienkommunikation und Medientechnologie“ , „Kommunikation und Sprache“ sowie „Bildungsmanagement“.

Mit diesem international vernetzten, fakultätsübergreifenden und praxisorientierten Lehrangebot zielt die TU auf das breite und immer wichtiger werdende Forschungs- und Berufsfeld gesellschaftlicher Vermittlung und Integration der Werte, Wissenschaften und kulturellen Wissensformen.

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