Zeitung Heute : Brücken und Reime, Pilze und Steine

Vier Macher der „Langen Nacht“ im Porträt.

Bereits zum 13. Mal findet am 8. Juni die Lange Nacht der Wissenschaften statt. Die TU Berlin war von Anfang an dabei und ist eine der tragenden Säulen bei dieser Veranstaltung. Der Erfolg hängt entscheidend von den Menschen ab, die zum Gelingen beitragen. Stellvertretend für hunderte engagierte Mitarbeiter stellen wir vier von ihnen näher vor.

ARNO WILHELM: ZAHLEN UND ZEICHEN

Wenn sich Arno Wilhelm nicht mit Nullen und Einsen beschäftigt, reiht er Buchstaben und Worte zu Gedichten und Geschichten aneinander. Der Informatikstudent ist Poetry Slammer, veranstaltet eine Lyrik-Lesebühne und hat im vergangenen Jahr seinen ersten Roman veröffentlicht. Demnächst will er an der TU Berlin seinen Master machen und anschließend promovieren. Der 26-Jährige schreibt seit seiner Kindheit. 2009 trat er zum ersten Mal bei einem Poetry Slam auf und ist seitdem regelmäßiger Gast beim Wettstreit der Texter und Dichter. „Schreiben ordnet viele Eindrücke, die mich beschäftigen, und ermöglicht es mir, jede Art von Erfahrung zu verarbeiten, die ich mache“, sagt er.

Während der Langen Nacht der Wissenschaften stellt Arno Wilhelm eine Auswahl seiner Texte vor, die sowohl zum Nachdenken als auch zum Lachen einladen. apu

Arno Wilhelm im Sommernachtssalon, Haus der Ideen/TU-Hauptgebäude, Straße des 17. Juni 135, Lichthof, 18.30 bis 19 Uhr und im Haus der Elektrotechnik und Informatik, Einsteinufer 17, Zugang über Straße des 17. Juni 136, Hörsaal E 020, 21 bis 21.30 Uhr

ARNDT GOLDACK: BRÜCKENBAUER

Als der Abiturient Arndt Goldack sich für ein Studium entscheiden musste, sollte es „irgendetwas im Ingenieurwesen sein und mit Umwelt zu tun haben“. Heute ist Goldack promovierter Bauingenieur und lehrt an der TU Berlin. „Während meines Studiums in Stuttgart faszinierten mich die Tragwerke meines Professors Jörg Schlaich“, begründet er seinen Sinneswandel. Im Ingenieurbüro Schlaich, Bergerman und Partner plante er eindrucksvolle Brücken wie etwa die 250 Meter lange Schrägseilbrücke über den Yamuna-Fluss in Neu-Dehli.

Die Faszination seines Berufes gibt er heute als wissenschaftlicher Assistent am Fachgebiet „Entwerfen & Konstruieren – Massivbau“ an die Studierenden und zur Langen Nacht der Wissenschaften an alle Interessierten weiter. Im vergangenen Jahr kam in der Peter-Behrens-Halle am Standort Wedding nicht nur bei den Kindern der Baumeisterwettbewerb besonders gut an. Ziel war es, mit Hilfe einer Heißklebepistole und Spaghetti eine belastbare Brücke zu konstruieren. Auch dieses Mal sollen wieder Nudeln als Baumaterial dienen, mehr wird noch nicht verraten. apu

Das gesamte LNDW-Programm im Haus des Bauens/Peter-Behrens-Halle, Gustav-Meyer-Allee 25 unter www.lndw.tu-berlin.de

VERA MEYER: SCHÖNES FINDEN

Vera Meyer ist Ästhetin. Die Leiterin des Fachgebietes Angewandte und Molekulare Mikrobiologie mag Formen und Strukturen. Ihre Werke zieren die Wände des Instituts: großformatige Bilder, die die Professorin in ihrer Freizeit malt. Ihre Forschungsobjekte erscheinen oberflächlich betrachtet weniger schön. Als Mikrobiologin befasst sie sich mit Aspergillus niger, dem Schwarzschimmel. Schimmelpilze können Allergien auslösen und komplette Ernten verderben, sie werden aber auch zum Fermentieren oder zur Herstellung von Medikamenten genutzt. Unter dem Mikroskop erscheinen die filigranen Hyphen der Pilze in einem anderen Licht.Die nützlichen Eigenschaften der Mikroorganismen und ihre spannenden Formen wird Vera Meyer während der Langen Nacht der Wissenschaften sowohl während der Wissenschaftsshow als auch im Haus der Biotechnologie auf dem Campus Wedding vorstellen. apu

Große Wissenschaftsshow, Haus der Ideen/TU-Hauptgebäude, Straße des 17. Juni 135, Audimax, 19.30 bis 22.30 Uhr, Haus der Biotechnologie, Gustav-Meyer-Allee 25, Haus 17a, Aufgang 5, 4. OG, 16 bis 0 Uhr

SUSANNE HERTING–AGTHE: SAMMLERIN

Zwei große Meteoriten, polierte Scheiben eines Eisenmeteoriten oder die beinahe einen Meter hohe Amethystdruse sind wohl die auffälligsten Stücke der Mineralogischen Sammlung der TU Berlin, die zu den bedeutendsten in Deutschland zählt. Erst zu Beginn dieses Jahres wurde sie nach sieben Jahren wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Susanne Herting-Agthe ist die Kustodin des mehr als 100 000 Stücke umfassenden Archivs verschiedener Minerale.

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Mineralogie beschäftigt sich seit 1972 mit den tausenden natürlich vorkommenden chemischen Verbindungen. Vom simplen Quarz, der aus Silizium und Sauerstoff besteht, über extrem festen (und teuren) Diamant – nichts anderes als Kohlenstoff – bis zu vielfältigen Kombinationen verschiedenster Elemente in Hornblenden. „Die Materie ist unendlich vielseitig, ebenso wie die Anwendung mineralogischen Wissens“, sagt die Forscherin. Zur Langen Nacht der Wissenschaften präsentiert sich die Mineralogische Sammlung mit einer „Nacht der offenen Tür“, bei der die Expertin auch mitgebrachte Schmucksteine oder Fundstücke aus dem vergangenen Urlaub wissenschaftlich begutachten wird. „Mein Lieblingsmineral ist immer gerade das, welches ich gerade untersuche“, sagt Susanne Herting-Agthe. Zurzeit sind es sternförmige Verwachsungen von Kalzit (Kalkspat) mit anderen Mineralarten. apu

Haus der Kristalle, Ernst-Reuter-Platz 1, Raum BH 609, 16 bis 0 Uhr

Das vollständige Programm

der TU Berlin zur Langen Nacht der Wissenschaften finden Sie unter

www.lndw.tu-berlin.de

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