Zeitung Heute : Brückenschlag nach Israel

Der Tagesspiegel

Günter Spur, emeritierter TU-Professor und früherer Leiter des Produktionstechnischen Zentrums in Charlottenburg, erhält den Eduard-Rhein-Wissenschaftspreis der Deutschen Technion-Gesellschaft. Mit dem Preis, der zum ersten Mal verliehen wird, würdigen die Juroren die Verdienste Spurs in der wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Technion in Haifa. Seit mehr als 75 Jahren ist das Technion die größte technische Universität Israels und zugleich das wichtigste Zentrum der angewandten Forschung. Schon bei seiner Gründung standen Berliner Wissenschaftler Pate. Jährlich studieren dort rund 11 000 junge Leute. In Haifa lehren 700 Professoren und Wissenschaftler, etwa 400 Studenten und Gastwissenschaftler kommen aus dem Ausland. Die Absolventen stellen drei Viertel aller Ingenieure und Naturwissenschaftler in Israel. Das Technion hat 19 Fakultäten, darunter auch eine medizinische Fakultät, und über 40 Forschungszentren. Eine eigene Stiftung gründete weltweit mehr als 53 Tochterfirmen.

Die Deutsche Technion-Gesellschaft ist ein Verein namhafter Forscher und Politiker, die das Technion unterstützen. Sie geht auf das 1923 von Albert Einstein in Berlin gegründete „Deutsche Komitee für das technische Institut in Haifa" zurück, das 1933 mit dem Machtantritt der Nazis erlosch. Erst 1982 wurde der Verein vom damaligen niedersächsischen Wissenschaftsminister Eduard Pestel wieder gegründet. In diesem Jahr feiert die Gesellschaft also ihr 30-jähriges Bestehen. Neben Günter Spur wird auch Yuval Shoham vom Technion geehrt.

Spur lehrte seit 1965 am Institut für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb der TU Berlin, das er bis 1997 leitete. 1976 gründete er das Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik, das 1987 einen Neubau am Spreebogen in Charlottenburg bezog. Zwischen 1991 und 1997 war er Gründungsrektor der Brandenburgischen Technischen Universität in Cottbus. Als Lehrer und Forscher sah er sich stets in der Tradition des 1904 in Berlin eingerichteten ersten deutschen Lehrstuhls für Werkzeugmaschinen, den der Ingenieur Georg Schlesinger innehatte. Auf Initiative Schlesingers und anderer jüdischer Wissenschaftler wurde 1924 das Technion in Haifa gegründet.

Im März 1933 musste Schlesinger die TU verlassen, 1938 emigierte er nach England. Günter Spur baute nicht nur die Produktionstechnik in Berlin neu auf. Er setzte sich immer wieder für die Rehabilitierung der von den Nazis vertriebenen jüdischen Wissenschaftler ein. Heiko Schwarzburger

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