Zeitung Heute : Bryan Edgars "Todesrächer": Gruß aus den 70ern - Premiere aus der Mottenkiste

Timo Fehrensen

Ein Unbekannter mordet vor sich hin, jeder ist verdächtig, bis er selbst dran glaubt. "Der Todesrächer von Soho" (23 Uhr 50, Super RTL) ist ein echter Wallace, auch die Besetzung: Horst Tappert mimt einen Inspektor, Siegfried Schürenberg ist der ewige Chef von Scotland Yard. Typisch Wallace - fast.

In diesem Falle stammt die Vorlage nämlich von Wallace-Sohn Bryan Edgar. Warum nicht vom Alten, genug geschrieben hatte er ja? Wallace-Produzent Horst Wendlandt, dessen Rialto-Film in den Sechzigern alle paar Monate einen neuen Streifen herausbrachte, hatte sich die besten Titel von Edgar Wallace und auch die zugkräftigsten Stars wie Joachim Fuchsberger und Eddi Arent gesichert. Produzent Artur Brauner blieb nichts anderes übrig, als sich den bekannten Namen zu sichern, indem er auf Krimis vom Sohn zurückgriff. Der schrieb fleißig wie Papa, jedoch nicht ganz so erfolgreich.

Zum ersten Mal ist der 1971 entstandene Streifen im deutschen Fernsehen zu sehen. Gedreht wurde er von einem der bekanntesten Horror-Sex-Regisseure der damaligen Jahre. Hinter dem Pseudonym Jess Frank verbirgt sich Jesus Franco Manera, der neben Dr. Fu Man Chu oder "Dracula" Christopher Lee ungezählte andere Gruselfiguren auf die Leinwand brachte. Für Produzent Brauner hat er in der Folgezeit so vielgeschichtliche Streifen wie den "Jungfrauenreport" oder "Robinson und seine wilden Sklavinnen" gedreht. In seinem Wallace kreischen Frauen genauso inständig, wird genauso mit Leib und Seele gemordet wie in zahllosen Vorgängern. Doch Franco ist längst nicht so detailverliebt wie einige seiner Vorgänger auf dem Wallace-Regiestuhl. Zumindest Liebhaber der Siebziger dürften ins Schwärmen kommen.

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