Zeitung Heute : Btx der Telekom: Abschied nehmen von Stern und Raute: Vom alten Bildschirmtext bleibt einzig das Homebanking

Kurt Sagatz

Bedauern dürfte die Nachricht kaum jemand: Ende 2001 werden große Teile von T-Online Classic schlichtweg abgeschaltet, wie die Telekom jetzt bekannt gab. Die Zugangsnummer 01910, über viele Jahre Synomym für den deutschen Zugang in die Online-Welt, hat dann ausgedient. Vom alten Bildschirmtext, den der damalige Postminister Christian Schwarz-Schilling im September 1983 auf der Internationalen Funkausstellung startete, bleibt dann einzig die Schnittstelle für das Homebanking bestehen.

Aus Sicht der Telekom ist dieser Schritt nur konsequent. Gegenüber dem multimedialen Internet hatte das Btx-Fossil am Ende nicht mehr viel zu bieten. Die zeichenorientierte Darstellung ist inzwischen genauso überholt wie die Navigation mit Stern- und Raute-Zeichen. Auch der 1995 eingeläutete Versuch, den Bildschirmtext durch den nur für T-Online geltenden KIT-Standard ins Multimedia-Zeitalter zu retten, konnte nichts daran ändern, dass die T-Online-Kunden ihren Dienst vor allem für eins nutzten: Als Zugang zum World Wide Web. Kein Wunder also, dass es kaum noch jemand merkte, dass viele einstmals entscheidende Btx-Anbieter ihre Präsenz im Bildschirmtext zugungsten des Internets aufgaben wie dies zum Beispiel der große Datenbank-Betreiber Genios getan hat, auf derem Bildschirmtext-Seite nur noch der Hinweis auf die Internet-Homepage prangt.

Das Beste, was man dem alten Bildschirmtext hinterher rufen kann, ist somit: Es hat funktioniert. Nie richtig schön, nie mit dem Gefühl der unendlichen Weiten des Cyberspace und auch zu keinem Zeitpunkt so erfolgreich, wie es sich die Männer der ersten Stunde wie Eric Danke gewünscht hatten. Denn der eigentliche Siegeszug der Telekom-Aktivität kam erst, als alle Welt ins Internet wollte, ob nun direkt oder über einen Online-Dienst wie eben T-Online.

Dabei war Btx in erste Linie immer funktional. Ob als Videotextsystem in Verbindung mit einem TV-Gerät, ob als Multitel-Kombination aus Telefon und Btx-Endgerät oder als Software-Dekoder für den PC-Einsatz: Das System kam mit Feldwegen genauso gut zurecht wie mit den Datenhighways. Und was fast noch wichtiger ist: Trotz des legendären Btx-Hacks von Wau Holland, dem Altvorderen des Chaos Computer Clubs, wird dem System auch heute noch eine Sicherheit bescheinigt, die es im offenen Internet nie geben kann.

Konzipiert als in sich geschlossenes Netz hatten Eindringlinge nie eine echte Chance. Auf diesen Umstand ist es auch zurück zu führen, dass trotz aller technologischen Rückständigkeiten die Zahl der über T-Online geführten Bankkonten noch immer zunimmt. Auch wenn T-Online in diesem Bereich gegenüber dem Internet etwas an Boden verliert, werden über Btx in Deutschland noch immer mehr Konten verwaltet als über das Web. Wie lange dieser Sicherheitsvorteil noch erhalten bleibt, hängt entscheidend davon ab, wie der neue HBCI-Standard (Homebanking Computer Interface) voran kommt. Setzt sich HBCI durch, verliert der Bildschirmtext seine allerletzte Daseinsberechtigung.

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