BUCHPREMIEREAnne Weber liest aus „Luft und Liebe“ : Marivaux’ Enkelin

Noemi HahnemannD

Wie, so fragte Jochen Jung in seiner Rezension von Anne Webers jüngstem Roman „Luft und Liebe“ (Suhrkamp) im Tagesspiegel, wie legt man es an, wenn das eigene Leben der Stoff ist, den man erzählen will, und zwar ohne jedes Versteckspiel, so, dass es möglichst alle merken? „Man verkleidet seine Figuren, verkleidet sich selbst, und redet ausführlich darüber. So macht es Anne Weber, und derart inszeniert sie ein Verwirrspiel zwischen sich, der Autorin, ihrer schreibenden Stellvertreterin und der entsprechenden Figur aus einer Erstfassung dieses Romans, damit auch der Letzte begreift, dass es immer um sie selbst geht.“

Worum geht es? Es geht in diesem Spiegelkabinett um Vertrauen und Verrat in ihrer schlimmsten Form – um eine Liebesenttäuschung. Die Heldin, Anfang vierzig, hat sich verliebt in einen blassen, leicht bäuchigen Adligen mit einem Schloss in der französischen Provinz, zumindest weiß sie ziemlich genau, was sie von ihm will: nämlich erst eine ordentliche Hochzeit und dann ein Kind. Und so charmant, wie er sich gibt, scheinen die beiden sich sogar einigermaßen handelseinig zu sein, wenn jetzt nicht durchaus komische Verwicklungen einsetzen würden.

Anne Weber, 1964 in Offenbach geboren, hat, wie Jochen Jung ihr attestierte, in ihrer Wahlheimat Paris offensichtlich gelernt, Herzensdinge so leicht und intelligent wie Marivaux aufzubereiten – eine Fähigkeit, die er ihr schon anlässlich ihres Romans „Besuch bei Zerberus“ bescheinigte, nämlich die Kunst, „auf leichte Art ernst zu werden“. Dies ist ein Schritt in die umgekehrte Richtung, wie sie bei der Buchpremiere im Gespräch mit Hubert Winkels zeigen wird. Noemi Hahnemann

Literarisches Colloquium Berlin, Mi 17.2., 20 Uhr, 6 €, erm. 4 €

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