BUCHPREMIEREEin Manifest von Muslimen und Migranten : Ich bin viele – und wir erst

Noemi Hahnemann

Was ein Manifest will, das sagt es normalerweise wie mit einer Stimme. Es umfasst eine klare Diagnose und klare Forderungen – für Interpretationen ist da wenig Spielraum. Das von Hilal Sezgin (Foto, links) herausgegebene „Manifest der Vielen“ (Blumenbar Verlag) aber hat weder einen einheitlichen Ton noch eine handliche Theorie. Wie auch? Die 30 Autoren und Autorinnen, die hier versammelt sind, versuchen das, was der Untertitel feststellt – „Deutschland erfindet sich neu“ – erst zu definieren. Die Essays, Zwischenrufe und literarischen Stücke, die sich, fast durchweg aus eigener Erfahrung, mal mit dem Islam als Glauben und mal mit dem Muslimsein im deutschen Alltag beschäftigen, sind Text für Text vom Wissen geprägt, dass sich in den Kulturkämpfen, die hierzulande rund um das transkulturelle Miteinander toben, die verschiedensten Debatten überlagern. Klar ist nur: Dümmer und dreister als Sarrazin geht’s nicht.

Die Herausgeberin, Tochter türkischer Wissenschaftshistoriker, erzählt in „Deutschland schafft mich ab“ zum Beispiel, wie sie als gebürtige Frankfurterin bei Habermas studieren ging und sich bis heute dennoch als Muslimin versteht, in einem Umfeld, das, wie die gebürtige Iranerin Katajun Amirpur schreibt, „die Muslimisierung der Muslime“ betreibt. Feridun Zaimoglu (rechts) wettert gegen den Krieg der schwarzen Provokateure und votiert für einen neuen linken Humanismus. Viele Beiträger kennt man aus den Debatten der letzten Monate. Dass die Teilnehmer meist noch unter 40 sind, macht klar, dass sich hier tatsächlich eine neue Generation zu Wort meldet. Das wird jetzt bei einer vielstimmigen Buchpremiere mit Aftershowparty gefeiert. Noemi Hahnemann

Maxim-Gorki-Theater, Do 24.2., 19.30 Uhr, 12 €

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