BUCHPREMIEREMichael Ondaatje „Katzentisch“ : Auf hoher See

Noemi Hahnemann

Der Weltruhm kam erst Anfang der neunziger Jahre mit seinem Roman „Der englische Patient“, für den er den Booker-Preis erhielt. Da war der 1943 in Colombo auf Ceylon, dem heutigen Sri Lanka, geborene und in England aufgewachsene Wahlkanadier Michael Ondaatje längst ein Schriftsteller auf der Höhe seiner Kunst: ein Dichter, von dem wir hierzulande immer noch so gut wie gar nichts wissen, und ein Erzähler, der mit dem Roman „In der Haut eines Löwen“ schon ein Meisterstück seiner metaphern- und andeutungsreichen, mit Auslassungen und Fragmenten arbeitenden Epik vorgelegt hatte.

In seinem jüngsten Roman „Katzentisch“ erzählt er nun von der Seereise dreier halbwüchsiger Jungen, die Anfang der fünfziger Jahre von Ceylon aus nach England aufbrechen. An Bord befinden sich lauter abenteuerliche Außenseiter, mit denen die drei am Katzentisch sitzen, aber auch die undurchsichtigen Reisegefährten aus der Luxusklasse. Dass diese Reise am Ende des British Empire, die auch der elfjährige Michael Ondaatje machte, zu autobiografischen Deutungen einlädt, weiß ihr Autor am besten und erklärt deshalb: „Obwohl der Roman sich hin und wieder des Kolorits und der Örtlichkeiten von Lebenserinnerungen und Autobiografie bedient, ist ,Katzentisch’ ein Werk der Fiktion – vom Kapitän, der Schiffsbesatzung und allen Passagieren an Bord bis zum Icherzähler. Und obwohl es tatsächlich ein Schiff namens ,Oronsay’ gegeben hat, ist das Schiff in diesem Roman ein Fantasieprodukt.“ Sigrid Löffler stellt das farbenprächtige Werk im Gespräch mit dem Autor vor, der Schauspieler Manfred Zapatka liest daraus. Noemi Hahnemann

Akademie der Künste am Pariser Platz, Mi 22.2., 20 Uhr, 5 €/erm. 3 €

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