BUCHPREMIEREUwe Timm präsentiert seinen Roman „Halbschatten“ : Luft und Liebe

Gregor Dotzauer

Der Berliner Invalidenfriedhof in der Scharnhorststraße, gleich neben dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Hier, erklärt der Stadtführer, der den Erzähler von Uwe Timms Roman „Halbschatten“ (Kiepenheuer & Witsch) über die Begräbnisanlage geleitet, „liegt die deutsche, liegt die preußische Geschichte begraben, jedenfalls die militärische. Scharnhorst liegt hier und andere Generäle, Admiräle, Obristen, Majore, bekannte Jagdflieger, damals die Helden der Luft, Richthofen, Udet, Mölders, und unter all diesen Männern, diesen Militärs, liegt eine Frau.“ Und er weist auf einen Findling mit der Aufschrift: „Der Flug ist das Leben wert. 1907 geboren, 1933 gestorben. Marga v. Etzdorf. Eine Fliegerin, eine der ersten in Deutschland.“

Um ihretwillen ist der Erzähler gekommen. Denn diese Marga von Etzdorf hat sein Interesse geweckt, nachdem er erfahren hat, dass sie nicht in Ausübung ihres Berufs und ihrer Leidenschaft ums Leben gekommen ist, sondern indem sie sich erschoss. Nach einer Bruchlandung im syrischen Aleppo hatte sie ihre Maschine beschädigt – sie fürchtete, ihren Ruf für immer ruiniert zu haben.

Uwe Timm, 1940 in Hamburg geboren, führt in „Halbschatten“ ein Totengespräch zwischen namenlosen und prominenten Friedhofsstimmen – auch der von Reinhard Heydrich, dem organisatorischen Motor des Holocaust. Im Mittelpunkt steht aber Margas geheimnisvolle Liebe zu dem jungen Diplomaten Christian von Dahlem. In der Akademie der Künste stellt Timm, eingeführt von Sigrid Löffler, sein Buch nun vor. Gregor Dotzauer

Akademie der Künste am Pariser Platz,

Plenarsaal, Do 4.9., 20 Uhr, 6 €, erm. 4 €

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