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Lektüre für die Gartenbank: Reise

in die Geschichte des Gärtnerns



Die Welt blüht. In ihren Gärten zumindest wachsen und gedeihen Blumen und Kräuter, Bäume und Büsche. Aber, wie hat das alles begonnen? Wie und warum gärtnert der Mensch – und was macht das mit ihm? Christa Hasselhorsts Buch „Eden auf Erden: Die Liebe zwischen Mensch und Garten“ gibt lehrreiche und zugleich berührende Antworten.

Vor 6000 Jahren bereits schufen die Sumerer im Land zwischen Euphrat und Tigris durch künstliche Bewässerung erste Gärten, die Römer legten antike Stadtgärten an, bald entstanden Klostergärten voller Kräuter. Der Geschmack der Zeit prägte auch die duftenden, prunkenden Areale. Während André Le Notre in Versailles mit Zirkel und Lineal zu Werke ging, rückte Lancelot Brown, der Vater der Englischen Landschaftsgärten, die Natur in den Vordergrund. „Kein grader Winkel, nirgends“, schreibt die Autorin.

Seit dem späten 19. Jahrhundert wird gepflanzt, nach immer neuen Mustern. Der Berliner Karl Foerster, der sage und schreibe 362 unterschiedliche Stauden züchtete, gab das Motto aus: „Es wird durchgeblüht.“ Und Christopher Lloyd, der „Komödiant“ des Gartens, „knallte Kontraste zusammen“, die fantastisch wirkten. „Es müssen nicht immer große Gärten sein, sie können auch klein sein - wenn sie hoch sind“, spottete Karl Valentin. Und würde sich wundern, sähe er heutige Resultate.

Ein Garten macht froh und ersetzt manchen sogar die Psychotherapie. „Nach zwei Stunden Jäten, Graben und Hacken sind Kopf und Herz leichter“, schreibt die Autorin. Das grasgrün eingebundene Werk, gespickt mit sorgsam ausgewählten Fotos, feinsinnigen Stichen und überraschenden Zitaten, ist ein schönes Geschenk für jeden Grünfinger. Am liebsten würde man es aber selbst behalten und im Sommer noch mal lesen, auf der „Gartenbank unterm Kastanienbaum“, jene, die Max Liebermann im Wannseegarten gemalt hat. Hella Kaiser

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