Zeitung Heute : Buchtipp: Klassische Autos in das passende Ambiente gestellt

Andy Schwietzer

Wenn eine Automobilmarke nicht nur mehr als 100 Jahre alt ist, sondern in ihrem Heimatland oben auf der Bestsellerliste mitfährt, dann kann das schon stolz machen. Schließlich wäre die deutsche Motorisierung ohne Opel schlechterdings nicht vorstellbar gewesen. Vielleicht schaffen solche Fakten auch das Selbstbewusstsein, schwierige Jahre zu überstehen, wie sie die "Opelaner" gerade durchmachen. Doch Lopez-Loopings und die Folgen sollen uns heute nicht mehr interessieren: Wir schauen mit dem jüngst bei Heel erschienenen Band weder in die Zukunft noch in die jüngste Vergangenheit. Schließlich endet das Buch mit dem GT, also mit jenem Sportwagen, der schon vor 30 Jahren Herzen zum Klopfen brachte.

Doch wer jetzt ein trockenes Geschichtsbuch mit endlosen Zahlenreihen aus Fahrgestellnummern, Produktionszahlen und Leistungsdaten erwartet, ist hier auf dem falschen Dampfer. Das Versprechen des Titels wird auf unglaublich sinnliche Weise eingelöst: Das Autoren- und Fotografenteam stellt mit manisch anmutender Liebe zum Detail 37 verschiedene Opel-Fahrzeuge (darunter auch zwei Motorräder) in zeitgenössisch perfekt anmutenden Locations vor.

Sei es der Friseurbesuch der schmetterlingsbebrillten Blondine im Panoramascheiben-Rekord P 1, der Kohlentransport mittels "Alligator"-Blitz, das Klausenpass-Rennen im 8/25 PS Spitzkühler-Phaeton oder der Familienausflug in der Olympia-Cabriolimousine: Die attraktiven Seiten der Bürgermarke und ihr sportliches Erbe aus der Pionierzeit der Motorisierung werden auf künstlerische Weise vorgestellt.

Ein Buch voll atmosphärischer Dichte und handwerklicher Qualität lässt Staunen. Die Anmutung verführt zum Träumen, die unkritischen Texte fallen allerdings angesichts der fantastischen Fotos ab. Wer also wissen will, was an alten Automobilen wirklich so interessant ist, werfe kurzerhand einen Blick in dieses Buch. Das Fazit: Mehr davon!

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