Zeitung Heute : Buchungen sollen bald am Reisebüro vorbei abgewickelt werden

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Nun ist die Katze aus dem Sack: Als erster der Branchenriesen geht TUI massiv ins Internet, das heißt, die Hannoveraner bekennen sich nun auch offen dazu, künftig am Reisebüro vorbei ihr Geschäft abwickeln zu wollen. Die schärfsten Mitbewerber werden sicherlich mit ebenso viel, wenn nicht mehr Verve sehr bald folgen.

Ein bisschen hatten die meisten ja seit geraumer Zeit schon im Internet gewerkelt. Etwas mehr oder weniger gelungene Selbstdarstellung, ein paar ausgesuchte Angebote für ambitionierte Online-Bucher. Der Weg ins "nächste Reisebüro" blieb jedoch nicht erspart und das war dann doch wieder lästig. Denn was nützte etwa Online-Banking, wenn man nach getätigter Überweisung am heimischen PC doch noch eine Unterschrift bei der Filiale zu leisten hätte?

Noch vor wenigen Monaten wurde die "gute Partnerschaft" mit den Reisebüros beschworen, gar als unerlässlich deklariert. Das Internet als properer Vertriebsweg wurde als eine Erscheinung erst für die ferne Zukunft dargestellt. Der Vertriebschef der Hannoveraner winkte beim Thema Internet stets ab: "Viele Gaffer, wenig Käufer", hieß es. Das mag wohl so gewesen sein, schließlich waren die Möglichkeiten, eine Pauschalreise online zu buchen auch wenig attraktiv.

Die allmächtige TUI-Mutter Preussag macht allerdings jetzt Dampf. Die Schonfrist für Reisebüros ist offenbar (fast) abgelaufen. Wer sich im Reisebüro auf die Treueschwüre verlassen hatte, sieht sich - in der Sonnenschein-Branche an vorderster Front kämpfend - nun einem so bedrohlich schwarzen Wolkenband ausgesetzt, dass er sich ausrechnen kann, wann er denn im Regen stehen wird. Zwar kommt zunächst die Zwischenlösung: Reisebüros können bei TUI kostenlos auf der Webseite erscheinen. Bei Buchung gibt es auch noch Provision. Noch. Ziel aller Veranstalter wird jedoch sein, die etwa zehn Prozent Provision abzuknappsen. Bei Milliardenumsätzen ein erkleckliches Sümmchen, das im weiter eskalierenden Wettbewerb zwischen den Veranstaltern dem Einzelnen nicht ungelegen kommt. Und vielleicht dürfen sich auch die Verbraucher freuen, wenn ein Teil dieser "Ersparnis" an sie weiter gereicht wird. Den meisten Reisemittlern, die sich auf schlicht gestrickte Pauschalangebote ohne viel Beratungsaufwand und somit relativ leicht eingestrichene Provisionen kapriziert haben, wird zweifelsohne die Luft ausgehen. Das mag man bedauern. Oder auch nicht. Denn eigentlich kann kein Reisebüro überrascht sein. Die Zeichen standen seit langer Zeit an der Wand geschrieben. Ganz real, nicht nur virtuell. Nicht alle haben sie jedoch beachtet.

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