Zeitung Heute : Bulgarische Fluggesellschaft: Bisher ohne Beanstandung

R. W. During

"Wir wollen die beste Fluggesellschaft Bulgariens werden", sagt Chavdar Mitov. Der kaufmännische Direktor von Bulgarian Air Charter (BAC) kommt - wie die übrige Führungsmannschaft und die meisten der bald 300 Mitarbeiter - von der ehemals staatlichen Balkan Air. Auch die Flugzeuge - dreistrahlige, russische Tupolew TU-154M-Jets - waren dort im Einsatz. Das junge Unternehmen wird in der kommenden Sommersaison das gesamte Bulgarien-Programm des Reiseveranstalters ITS übernehmen, 58 wöchentliche Flüge von 15 deutschen Städten nach Burgas und Varna.

Bulgarian Air Charter entstand, weil sich die kürzlich privatisierte Balkan Air aus dem Chartergeschäft zurückzieht. Sicher hätten auch deutsche Luftverkehrsgesellschaften die Flüge übernehmen können, sagte der ITS-Bereichsleiter Flugreisen, Dierk Berlinghoff. Doch wolle man als umsatzstärkster deutscher Veranstalter von Bulgarien-Reisen die dortige Wirtschaft fördern. Auch bei den Hotels werden nationale Betreiber gegenüber internationalen Ketten bevorzugt. Mehr als 60 Millionen Mark wurden in Form von Vorauszahlungen in die Renovierung von 33 Beherbergungsstätten investiert.

Der zunächst auf ein Jahr befristete Vertrag mit BAC sichere zahlreiche Arbeitsplätze in der bulgarischen Wirtschaft. 2001 rechnet ITS mit einem Rekord von 100 000 Bulgarienreisenden, eine Verdoppelung des Aufkommens binnen drei Jahren. Gold- und Sonnenstrand boomen, sechs Wochen nach dem Erscheinen der Kataloge liegen bereits mehr als 40 000 Buchungen vor.

Bulgarian Air Charter gehört zu einer internationalen Holding, die mit dem Moskauer "Vnukovo Aircraft Repair Center 400" unter anderem die größte Reparaturwerft für Tupolew-Flugzeuge besitzt. In dem nach westlichen Standard arbeitenden Betrieb werden die BAC-Jets betreut. Zur Holding gehören auch die Frachtfluggesellschaft "Air 400", außerdem eine Fabrik für Verpackungsmaschinen und eine Nahrungsmittelproduktion in Bulgarien, berichtete Norman Becker vom Berliner Gesellschafter Systems Development Technologies (SDT).

"Wir werden mit dem Ruf, dass es sich um ein veraltetes Flugzeug handelt, leben müssen", erklärte Berlinghoff. Die Tupolews wurden zwischen 1989 und 1992 gebaut, kürzlich jedoch auf den neusten Stand der Technik gebracht. Die Tatsache, dass Flugbetrieb und Wartung unter dem Dach der Holding vereint sind, garantiere ein "Hochqualitätsprodukt". "Das Publikum akzeptiert die Maschinen", betonte Norman Becker. Insbesondere in den neuen Bundesländern gebe es keine Vorbehalte. Zum Stückpreis von 150 000 Dollar wurden die Triebwerke nach BAC-Angaben modernisiert und den aktuellen Umweltschutzbestimmungen angepasst. 100 000 Dollar wurden in eine völlig neue Kabinenausstattung investiert. Der jetzt in Schönefeld präsentierte Jet ist das zweite bulgarische Flugzeug nach der Präsidentenmaschine, das mit einem Kollisionswarnsystem ausgestattet ist. Bereits am 23. Dezember soll BAC die wöchentliche Wintersportverbindung von Plovdiv nach Düsseldorf und Schönefeld übernehmen. Zwar hatte das Luftfahrtbundesamt erst wenige Stunden vor der Präsentation am Donnerstag die Einfluggenehmigung für zunächst nur diesen Flug gewährt, doch sei es durchaus realistisch, dass bis zum Wochenende eine dauerhafte Erlaubnis erteilt werde, sagte ein Behördensprecher auf Anfrage. Dazu seien noch einige weitere Prüfungen erforderlich. Bisher habe BAC jedoch ohne Beanstandung alle Anforderungen erfüllt.

In der Wintersaison sollen zunächst zwei TU-154N eingesetzt werden. Bis Mai wird die Flotte auf sieben Jets erweitert, so Chavdar Mitov. "Wir brauchen sechs Flugzeuge für das ITS-Programm, die siebente Maschine dient als Reserve."

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