Zeitung Heute : Bullterrier rissen Husky in Stücke

Urban Media GmbH

Von Werner Schmidt

Der Husky hatte keine Chance gegen die beiden Staffordshire. Die drei Bullterrier waren nicht angeleint, zwei von ihnen trugen entgegen der Hundeverordnung nicht einmal einen Maulkorb. Sie machten sich über den acht Jahre alten Rüden her und rissen ihn in Fetzen. Den Mann, der mit den Tieren am Donnerstag in der Grünanlage zwischen Borkzeile und Spekteweg in Spandau unterwegs war, schien es wenig zu kümmern. Er nannte auf Nachfrage weder seine Personalien noch die der später von der Polizei ermittelten Hundehalterin und ging mit den Hunden nach Hause.

Für die verzweifelte Halterin des totgebissenen Husky und dessen Kadaver hatte er kaum einen Blick übrig. Einige beherzte Passanten folgten dem Mann und teilten später der Polizei mit, in welchem Haus an der Straße An der Kappe er verschwunden war. Dort stellte die Polizei später die beißwütigen Hunde sicher. Der 59-Jährige, der offenbar im Auftrag der Hundehalterin mit den Tieren unterwegs gewesen war, muss sich nun wegen des unerlaubten Umgangs mit gefährlichen Hunden verantworten, sagte ein Polizeisprecher.

Der Vorfall vom vergangenen Freitag ist einer der wenigen Angriffe gefä hrlicher Hunde, seit die Berliner Kampfhundeverordnung im Sommer 2000 verabschiedet wurde. Danach dürfen zwölf als gefährlich eingestufte Rassen und deren Kreuzungen nur angeleint und mit Maulkorb ausgeführt werden. Andernfalls drohen Ordnungsstrafen bis zu 1000 Mark. Im Katalog der gefählichen Rassen steht auch der Staffordshire Bullterrier. Die Halter müssen nachweisen, dass sie die notwendige Sachkunde im Umgang mit gefährlichen Hunden haben. Auch diejenigen, die im Auftrag des Halters die Tiere ausführen, benötigen diesen so genannten „Hundeführerschein“.

Die bestehende Verordnung war im Juli 2000 erweitert worden, nachdem die Zahl der Hundeangriffe drastisch gestiegen war. Besonders Kinder waren gefährdet, weil sie entweder in ihrer Arglosigkeit einen Hund streicheln wollten oder das Tier sogar zur Familie gehörte. Kampfhunde wurden aber auch schon als Waffen eingesetzt: Die Halter bedrohten mit den Tieren ihre Opfer und raubten sie dann aus.

Ungeklärt ist ein Fall aus dem Jahr 1999. Damals hatte am Boxhagener Platz in Freidrichshain ein Dobermann einen sechs Jahre alten Jungen angegriffen. Das Kind rannte voller Angst auf die Straße und wurde von einem Auto überrollt. Der Junge starb auf dem Weg ins Krankenhaus, die Hundehalterin entfernte sich. Obwohl die Polizei mit einem Phantombild nach der Flüchtigen suchte, konnte die Frau nicht mehr gefunden werden.

Abgesehen davon, dass 1999 die Kampfhundeverordnung noch nicht galt, steht auch jetzt der Dobermann nicht auf der Liste der gefährlichen Rassen.

Um die Kampfhundeverordnung war heftig gestritten worden, bevor sie schließlich in modifizierter Form erlassen wurde. Seit ihrem Inkrafttreten ist die Zahl der Hundeangriffe deutlich zurückgegangen. 20 Prozent weniger Angriffe registrierte die zuständige Senatsverwaltung für Arbeit, Gesundheit und Soziales im Sommer 2001.

Mit der Einführung der neuen Verordnung mussten auch alle in der Liste aufgeführten Hunde registriert werden und die Halter sich die Unbedenklichkeit ihrer Tiere bescheinigen lassen. Rund 5000 Tiere wurden dabei in Berlin festgestellt. Insgesamt werden weit über 100000 Hunde in Berliner Haushalten gehalten.

Mit Inkrafttreten der Kampfhundeverordnung hatte die Berliner Polizei auch etwa ein halbes Dutzend „Interventionsteams“ gegründet, die aus Beamten bestanden, die bei schwerwiegenden Zwischenfällen mit Kamphunden einschreiten sollten. Sie hatten nicht nur bisshemmende Kleidung, sondern auch eine Spezialmunition für ihre Dienstwaffen, um angreifende Tiere zu stoppen. Die normale Munition durchschlä gt den Körper eines Kampfhundes, ohne dass dieser Wirkung zeigt. Inzwischen sind diese Interventionsteams längst wieder aufgelöst.

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