Zeitung Heute : BUND stellt sich vor Flughafenbäume

Der Tagesspiegel

Reinickendorf. Der Streit um die Fällung von bis zu 10 000 Bäumen in der Einflugschneise des Flughafens Tegel eskaliert. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) forderte gestern eine weitere Prüfung möglicher Alternativen. Wenn es diese nicht gibt, besteht der Verband auf einer vom Senat bisher abgelehnten Ausgleichsmaßnahme für die Rodung von fünf Hektar Kiefernwald in der Jungfernheide. Ursprünglich sollten die Arbeiten am Montag wieder aufgenommen und wegen der einsetzenden Brut- und Vegetationsperiode bis Mitte April abgeschlossen werden. Die Freigabe hatte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am Mittwochabend den Berliner Forsten erteilt.

Zuvor hatten die Vertreter der meisten Naturschutzverbände nach einer Begehung ihre Zustimmung unter dem Gesichtspunkt der Flugsicherheit signalisiert. „Es gibt keine Chance, die Fällung ins nächste Jahr zu verschieben“ sagte Christian Muhs, Referatsleiter für Naturschutz bei der Senatsverwaltung. Die Arbeiten sollten deshalb „so schnell wie möglich“ fortgeführt werden, um größeren Schaden zu vermeiden. In die anschließende Neugestaltung des Areals werden die Verbände einbezogen. „Den Zeitdruck haben nicht wir verschuldet“, betonte indessen BUND-Fachreferent Winfried Lücking. Die Senatsverwaltung will heute nach Vorlage der schriftlichen Stellungnahme entscheiden, erklärte Muhs, der weiter von einer Fortsetzung ausgeht. Da es sich um keine Umwidmung der Flächen handelt, sei auch kein Ausgleich erforderlich. Sollten die Arbeiten ohne entsprechende Zusagen wieder aufgenommen werden, will sie der BUND gerichtlich stoppen lassen.

Luftfahrtrechtlich gelten die Bäume als „Bauwerke“, die beseitigt werden müssen, wenn sie in den festgelegten Bauschutzbereich der Einflugschneise hineinragen. Auch wenn der Flughafen Tegel möglicherweise bereits 2008 geschlossen wird, gelten diese Vorschriften bis zum letzten Betriebstag.

Heftig kritisiert wurde von den Naturschützern, dass die Behörden nicht frühzeitig und kontinuierlich auf die sich abzeichnende Problematik reagierten. Inzwischen sind die Kiefern 13 bis 17 Meter hoch, in einem Gebiet, wo zum Teil nur sieben Meter zulässig sind. Bereits 1999 hatte die Deutsche Flugsicherung die Landesluftfahrtbehörde nach einer Routine-Vermessung auf die Überschreitung der Grenzwerte hingewiesen. Erst ein Jahr später forderte man dort die detaillierten Messergebnisse an.

Weil die Karten nur Höchstwerte für die einzelnen Bereiche enthielten, ging man davon aus, dass es sich lediglich um einzelne Bäume handelte. Einige besonders große Exemplare direkt am Flughafenzaun wurden daraufhin bereits im Frühjahr 2001 in Absprache mit dem Bezirksamt gefällt. Dass eigentlich die ebenfalls in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung angesiedelten Berliner Forsten zuständig waren, merkte man erst hinterher.

Weil in diesem Jahr eine erneute Vermessung ansteht, wurde im April 2001 die Forstverwaltung aufgefordert, die Hindernisse zu beseitigen. Auch dort glaubte man, es würde sich um einige Ausnahmen handeln und ließ sich mit der eigenen Vermessung Zeit. So wurde erst im Dezember festgestellt, dass praktisch alle Bäume betroffen sind. Zu klären ist, wer für die Abholzung die Kosten trägt, so der stellvertretende Leiter des Landesforstamtes, Roland Grund. Gleiches gilt auch für die vom BUND geforderten Ausgleichsmaßnahmen. Rainer W. During

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