Zeitung Heute : Bund stellt Umwelt-PC-Liste ein

Der "grüne Computer" bleibt vorerst ein Zukunftsrechner: Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (Bund) gibt in diesem Jahr keine neue Umwelt-Computerliste heraus. Nach fünf Ausgaben, die letzte erschien 1998, stellt die vor fast 25 Jahren gegründete Bürgerinitiative die Liste ein, die privaten PC-Nutzern als Hilfestellung beim Computerkauf diente. Der Grund: die mangelnde Auskunftbereitschaft einiger Hersteller.

Auch das noch unterentwickelte Umweltbewußtsein vieler Computerfreaks bedauert Thomas Lenius, Chemie-Experte des in Bonn ansässigen Verbandes. Deshalb konzentriere sich der Bund ab 2000 auf die professionellen Großanwender. Ein neuer Öko-Ratgeber soll ihnen Tips geben.

Seit 1994 schrieb der Bund rund 20 der umsatzstärksten Computerhersteller am deutschen PC-Markt an und bat sie in einem Fragebogen um Auskunft über die ökologischen Eigenschaften der Geräte und über das Umweltmanagement. Gefragt wurde unter anderem nach dem verwendeten Material und der recyclingfähigen Konstruktion. Informationen über Rücknahmeservice und eigene Umweltberichte wurden ebenfalls eingeholt. Der Bund wertete die Daten in Zusammenarbeit mit Fachleuten aus und vergab den Herstellern Gesamtnoten von "sehr gut" bis "schlecht". "Inzwischen mauert die Branche, über die Hälfte der angeschriebenen Unternehmen scheut den Vergleich und drückt sich aus Angst vor Kritik", klagt Lenius. Nach Angaben des Bund kritisierten die Firmen die ursprünglich mit ihnen zusammen ausgearbeiteten Bewertungskriterien sowie den Fragenbogen als "zu umfangreich". Den wahren Grund für die Absagen sieht Lenius aber im verschärften Konkurrenzkampf und im steigenden Kostendruck in der Informationstechnologie.

Wegen kurzer Produktzyklen von unter einem Jahr ist für die Hersteller ein heute gekaufter Computer morgen schon veraltet, auch wenn die tatsächliche Lebensdauer eines Computers mehr als zehn Jahre beträgt. Die Wirtschaft lebt davon, daß Käufer immer das Neueste wollen, was der PC-Markt bietet. Die immer komplexer werdende Programmierung der Software erfordert immer leistungsfähigere Hardware. Die Konsequenz: Die Kassen der Fachgeschäfte klingeln, der Elektronikschrottberg wächst. In Deutschland fielen in den vergangenen zwei Jahren etwa 1,5 Millionen Tonnen Elektronikschrott an, davon waren rund zehn Prozent ausrangierte Computer und Peripheriegeräte. Der Bund fordert, daß Computergeräte bereits recyclingfähig konstruiert werden. Sie sollten "modular" aufgebaut sein.

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